Sport : Das Tor am Ende des Leidensweges

Benjamin Lauth ist wieder da und macht den HSV glücklich

Karsten Doneck[Hamburg]

Wie er auf dem Platz herumtobte, das deutete auf einen kaum zu bändigen Ehrgeiz hin. Es entstand der Eindruck, da wolle einer mit Gewalt das Glück erzwingen. Die Aktionen wirkten oben auf den Rängen der AOL-Arena für manchen Beobachter zugleich aber auch etwas unkoordiniert, übermotiviert. Benjamin Lauth mag noch das Feingefühl fehlen, wie er sich am besten ins Gefüge der Mannschaft einbringen kann. Für den Hamburger SV ist der 23-jährige Stürmer aber auch so immens wertvoll. Am Sonnabend gegen Mainz 05 war Lauth erst eine Viertelstunde vor Schluss eingewechselt worden. Für Bastian Reinhardt, Stürmer gegen Abwehrspieler. HSV-Trainer Thomas Doll wollte mehr als das bis dahin gültige 1:1. Lauth enttäuschte Doll und die ihm schon bei der Einwechslung zujubelnden Fans nicht. Nur fünf Minuten, nachdem er auf dem Platz gekommen war, hämmerte er den Ball von der Strafraumgrenze zum 2:1-Siegtor ins Netz der Mainzer.

Augen zu und durch: „Ich habe einfach nur draufgehauen“, sagte Lauth, der Draufgänger. Dass ihn bei diesem Tor der Mainzer Schlussmann Dimo Wache mit einem verunglückten Abwehrversuch tatkräftig unterstützte, trübte die Freude des Schützen nicht. Es war erst Lauths zweites Saisontor. Das erste hatte er am 28. August 2004 gegen den 1. FC Nürnberg erzielt. Duplizität der Ereignisse: Lauth war auch damals eingewechselt worden, in der 73. Minute, zwei Minuten vor Schluss gelang ihm das Tor zum 4:3-Sieg, ein Stolpertor: Aus dem Nürnberger Abwehrgetümmel heraus war ihm der Ball ans Schienbein gesprungen und von dort über die Torlinie. Dank Lauth hat der HSV nun vier Punkte mehr.

Lauth hat in dieser Saison bisher erst 32 Minuten gespielt. Er hat seit April des vergangenen Jahres viel Zeit bei Ärzten und in Rehabilitationskliniken verbracht. Noch bei seinem vorherigen Arbeitgeber, dem TSV 1860 München, erlitt er einen Mittelfußbruch, ausgerechnet im Spiel gegen den Hamburger SV. Dieser HSV holte den Münchner Stürmer nach der Saison nach Hamburg, ließ sich den Transfer 4,3 Millionen Euro Ablöse kosten. Beim Spiel des HSV gegen Nürnberg wagte Lauth nach viereinhalb Monaten Verletzungspause sein Comeback. Fünf Tage später im Training brach er sich den Fuß erneut. Es folgten weitere fünf Monate Pause.

Lauths zweites Comeback gegen Mainz 05 sieht Thomas Doll auch unter einem übergreifenden Aspekt. „Irgendwie geht für Benny jetzt hoffentlich eine lange Leidenszeit zu Ende“, sagt Doll. Deshalb relativierte auch Lauth seine Glücksgefühle über das Tor gegen Mainz: „Noch wichtiger ist für mich, dass ich überhaupt wieder spielen kann.“

Benjamin Lauth, geboren in Fischbachau am Schliersee, hat sein erstes Bundesligaspiel am 4. Mai 2002 für 1860 München in Mönchengladbach bestritten. Vier Minuten dauerte damals sein Einsatz. Für die Münchner hat er seither 23 Bundesliga-Tore erzielt, darunter gar ein historisches, den tausendsten Treffer für den TSV 1860 in der Bundesliga.

Thomas Doll indes warnt, die Euphorie um Benjamin Lauth nicht auf die Spitze zu treiben. „Der Benny“, sagt er, „der braucht noch eine gewisse Zeit.“ An Einsätze über volle 90 Minuten sei derzeit noch nicht zu denken. Der HSV-Vorstandsvorsitzende Bernd Hoffmann freute sich angesichts des derzeit alles überschattenden Schiedsrichterskandals immerhin über ein Stück Fußball-Normalität. „Durch Lauths Rückkehr wird der Blick endlich auch wieder auf die Prioritäten im Fußball gelenkt“, sagte Hoffmann.

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