Sport : „Das Tor mit der Hacke war gewollt“

Carsten Ramelow über sein 1:0 und den verschenkten Sieg

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Herr Ramelow, die deutsche Nationalmannschaft hat die Tabellenführung verloren. Man könnte jetzt befürchten, der VizeWeltmeister schafft es vielleicht nicht zur EM.

Wir müssen jetzt Ruhe bewahren. Ich bin sicher, dass wir uns qualifizieren. Wir haben noch Spiele, in denen wir die zwei verlorenen Punkte wieder wettmachen können.

1:1 gegen Litauen, zuletzt ein mageres 2:1 gegen Färöer: Wieso ist die Mannschaft nicht in der Lage, solche Pflichtaufgaben problemlos zu erfüllen?

Ganz klar: Heute war das eindeutig zu wenig. Aber solche Spiele sehen von außen immer viel leichter aus, als sie sind. Wir können bei solchen Spielen nicht sagen, wir gewinnen immer mit drei oder vier zu null. Litauen kann Fußball spielen. Man muss die Leistung des Gegners anerkennen, die Litauer haben sich geschickt verhalten, und das Tor hat der Junge ganz gut gemacht – aber solche Dinge dürfen wir eben nicht zulassen.

Mängel waren auch und gerade im Herausspielen von Chancen erkennbar.

Wir haben uns sicher nicht viele sehr gute Chancen herausgespielt, aber einige Gelegenheiten hatten wir schon. Wir haben versäumt, nach dem 1:0 nachzulegen. Litauen stand tief hinten drin, zum Teil mit fünf Mann auf einer Linie, und hat auf Konter gelauert. Darauf sind wir reingefallen.

Immerhin hat es für Sie zu einem persönlichen Erfolgserlebnis gereicht. Nicht bloß, dass Sie das Tor geschossen haben, sondern wie…

Ja, das war brasilianisch (lacht). Einige werden jetzt bestimmt sagen, der Ball ist mir abgerutscht, aber wenn man genau hinsieht, erkennt man, dass das schon so gewollt war. Ich mache nicht viele Tore, aber wenn ich welche mache, dann sind es immer schöne.

Kürzlich erst haben Sie in der Bundesliga getroffen. Entdecken Sie Ihre Torgefährlichkeit?

Im Moment habe tatsächlich einen kleinen Lauf. Aber das kann sich schnell ändern.

Zumal für Sie nun wieder der Alltag im Abstiegskampf beginnt. Hat Ihnen die Zeit bei der Nationalmannschaft dafür geholfen?

Ich kann nur für mich sprechen, und ich komme immer gerne zur Nationalmannschaft. Auf dieses Spiel habe ich mich sehr gefreut. Die Situation ist nicht leicht, aber es spricht für mich, dass ich in dieser Situation Stärke zeige. Ich kann beide Dinge trennen.

Die Fragen stellte Daniel Pontzen.

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