Sport : Das Training entscheidet

Vor dieser WM soll Taktik im Vordergrund stehen

Stefan Hermanns,Michael Rosentritt[Dortm]

Die Amateurfußballer des FSV Luckenwalde werden sich das Länderspiel zwischen Deutschland und den USA ganz besonders intensiv angeschaut haben. Sie werden nämlich die nächsten sein, die gegen die deutsche Fußballnationalmannschaft spielen. Am 16. Mai trifft der Brandenburger Verbandsligist in Mannheim auf das Team von Bundestrainer Jürgen Klinsmann. Der sportliche Wert ist zu vernachlässigen, aber mit dem Freundschaftsspiel, das die Luckenwalder bei der WM-Kampagne „Club 2006“ gewonnen haben, beginnt für die deutsche Mannschaft die direkte Vorbereitung auf die Weltmeisterschaft. In den Trainingslagern auf Sardinien und anschließend am Genfer See soll der Grundstein gelegt werden für das Projekt WM-Titel. „Da werden wir die Mannschaft stabil machen“, sagt Klinsmann.

Der Optimismus knüpft an eine spezielle deutsche Fußballtradition an. Die Nationalmannschaft gilt als Turniermannschaft, und dass sie sich im Laufe der Jahrzehnte diesen geradezu mythischen Ruf verdienen konnte, hängt vor allem mit ihrer stets äußerst peniblen Vorbereitung auf die Turniere zusammen. Schon 1954, vor dem ersten Weltmeistertitel der Deutschen, trimmte Bundestrainer Sepp Herberger den Kader in mehreren Trainingslagern erfolgreich auf die notwendige Turnierfitness.

In diesem Jahr wird die Vorbereitung etwas anders aussehen als in der Vergangenheit. Gleich nach dem Spiel gegen Luckenwalde reisen die Nationalspieler mit ihren Familien nach Sardinien. Der fünftägige Aufenthalt soll vor allem regenerativen Charakter haben. „Sie werden physisch und psychisch am Limit aus der Bundesliga kommen“, sagt Joachim Löw, der Kotrainer der Nationalmannschaft. Jürgen Klinsmann nennt dies „tiefe Regeneration, damit sich der Kopf vom Stress ein bisschen leert“.

Von Sardinien bricht der Tross anschließend zu einem weiteren Trainingslager in die Schweiz auf, in dem es um das fußballspezifische Programm geht, um Fitness, mannschaftliche Organisation, Teamarbeit, mentale Stärke. „Die spielerische Eleganz der Argentinier oder die spielerischen Fähigkeiten der Brasilianer werden wir in dieser Zeit nicht erreichen können“, sagt Löw. „Wir müssen solche Mannschaften mit anderen Tugenden bespielen und schlagen. Dafür muss jeder von uns im Team an seine Grenze gehen und vermutlich etwas darüber hinaus.“ Zum Eröffnungsspiel der Weltmeisterschaft am 9. Juni in der Münchner Allianz-Arena soll die Mannschaft ein hohes Niveau erreicht haben, das sich im Laufe des Turniers sogar noch steigern lässt.

Vor dem gestrigen Testspiel hat Löw fast neidisch über die Möglichkeiten des Gegners USA berichtet. Dessen Trainer Bruce Arena konnte zu Beginn des Jahres sieben Wochen lang mit einem Großteil seines Kaders tagtäglich zusammenarbeiten. Von solchen Bedingungen wagt Klinsmann nicht einmal zu träumen. Geradezu flehentlich sehnen der Bundestrainer und sein taktisches Mastermind Löw die Gelegenheit herbei, mit der Mannschaft einmal über einen längeren Zeitraum hinweg zu trainieren. Doch während es vor den bisherigen Turnieren vor allem um die konditionellen und körperlichen Grundlagen ging, wird diesmal die taktische Arbeit mit der Mannschaft im Vordergrund stehen. So soll die Rolle der Verteidigung im offensiven Spielsystem noch einmal genauer definiert werden. „Die Abwehr kann ruhig bis zur Mittellinie vorrücken“, sagt Löw, „aber sie muss auch wissen, wann sie zurückgehen muss.“

Neben den Testspielen gegen Japan am 30. Mai in Leverkusen und gegen Kolumbien am 2. Juni in Mönchengladbach ist noch Spiel im süddeutschen Raum am 27. Mai gegen einen leichteren Gegner geplant. „Wir sind da alle offen“, sagt Michael Ballack. „Es ist aber nicht so, dass ich nach noch mehr Spielen lechze.“

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