Sport : Das traurige Gesicht

Wie Skispringer Hannawald wieder aufgebaut werden soll

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Salt Lake City (Tsp). Seine Trainer machen sich schon Gedanken über die Vorbereitungen für den nächsten Winter. Sie glauben an ihren Skispringer Sven Hannawald, der nach seinem drittletzten Platz von Salt Lake City die enttäuschende Saison vorzeitig beendet hat. „Er hat einen hohen Anspruch an sich selbst. Jetzt kommen mit der WM und Olympia zwei TopEvents, für die es lohnt, sich voll reinzuhängen“, sagt Bundestrainer Wolfgang Steiert.

Doch die Top-Ereignisse der nächsten Jahre liegen noch in ferner Zukunft. Erst einmal muss der sensible Hannawald diesen Winter verarbeiten. Ein vierter und zwei fünfte Plätze im Weltcup sind die besten Ergebnisse des Vierschanzentournee-Siegers von 2002. Auch die Titelverteidigung bei der Skiflug-WM blieb bloßes Wunschdenken. Bei der verkorksten Vierschanzentournee erlebte Hannawald einen ersten Rückschlag. „Da hat er sicherlich einen psychischen Knacks bekommen“, ist sich Steiert sicher.

Auch eine mehrwöchige Wettkampfpause half dem völlig verunsicherten Star nicht. „Er hat im Sommer viele Infekte gehabt, konnte unsere Trainingsvorgaben nicht erfüllen. Er war ständig platt, die Kraft fehlt einfach“, sagte Steiert. Bis Ende April wird jetzt erst einmal die skifreie Ruhe- und Nachdenkpause dauern. „Sven ist immer noch einer der besten Flieger, deshalb sollte das Training etwas mehr in die Richtung gehen, die auch die Kraftproblematik beinhaltet“, sagte der ehemalige Bundestrainer Reinhard Heß. Bisher habe die Materialfrage zu stark im Vordergrund gestanden. Wie sein Nachfolger Steiert glaubt auch Heß weiter an Hannawald. „Wenn er die Orientierung nicht verloren und auch noch die Liebe zum Sport behalten hat, bin ich der felsenfesten Überzeugung, dass er zurückkehrt.“

Für die immer wieder diskutierte Möglichkeit, einen Mentaltrainer einzusetzen, sieht Steiert keine zwingende Notwendigkeit: „Er hatte sechs erfolgreiche Jahre ohne einen Mentaltrainer.“ Viel wichtiger sei eine hundertprozentige Fitness. „Wenn die Physis stimmt, stimmt auch die Psyche“, lautet das Motto des Trainers, der nicht nur bei Hannawald auf eine bessere nächste Saison hoffen muss. Der wegen der schlechtesten Ergebnisse seit elf Jahren in der Kritik stehende Bundestrainer braucht spätestens bei der Heim-Weltmeisterschaft im Februar 2005 in Oberstdorf gute Resultate.

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