Sport : Das Unglück der Untüchtigen

Hertha BSC scheidet aus dem DFB-Pokal aus – nach einem Elfmeterschießen beim Drittligisten Holstein Kiel

NAME

Von Klaus Rocca

Kiel. Sie brüllten, sie stampften, sie jubelten. Die Fans vom KSV Holstein Kiel verzichteten am Sonntag auf alle norddeutsche Zurückhaltung und feuerten ihre Mannschaft enthusiastisch an. Sogar Rauchbomben flogen auf den Rasen des beschaulichen Holstein-Stadions, und das bei einem Spiel der ersten Runde im DFB-Pokal. Die Begeisterung war verständlich, denn der Drittligist bot vor 9100 Zuschauern eine leidenschaftliche Partie gegen Hertha BSC. Der Bundesligist mit Champions-League-Ambitionen trat dagegen einfallslos auf und blamierte sich mit einer Niederlage.1:1 hieß es nach Verlängerung 3:0 siegte Kiel im fälligen Elfmeterschießen. In der regulären Spielzeit schoss Matthias Rose die Gastgeber in Führung, Michael Preetz konnte ausgleichen. Die Entscheidung für Kiel brachte das Glücksspiel vom Elfmeterpunkt. Dabei scheiterten drei Herthaner, während die Kieler alle trafen.

Schon beim ersten Treffer gab es Aufregung. Während sich Torschütze Rose feiern ließ, trabte der Berliner Abwehrspieler Marko Rehmer blutüberströmt vom Platz. Nach einem Eckball hatte Rose ihm im Strafraum seinen Ellenbogen ins Gesicht gerammt. Rehmer konnte nicht hochspringen – Rose köpfte ein. Die Berliner Spieler protestierten, Trainer Huub Stevens sprang gestikulierend von seiner Bank. Vergeblich.

Für Rehmer war es ein tragischer Nachmittag. Zum ersten Mal seit seiner Verletzung im März konnte er wieder mit der ersten Mannschaft auflaufen. Zusammen mit Arne Friedrich, Josip Simunic und Michael Hartmann sollte er Herthas Hintermannschaft zusammenhalten. Doch schon in der Anfangsphase zog er sich eine Platzwunde am Kopf zu, in der zweiten Spielhälfte musste Rehmer draußen bleiben. Für ihn kam Andreas Schmidt. Die Abwehrkette wollte Stevens trotz des Rückstandes nicht auflösen.

Hertha kämpfte mit dem eigenen Unvermögen. Trotz dreier Offensivspieler – neben Luizao und Preetz durfte der Pole Bartosz Karwan ran – erspielten sich die Berliner in der ersten Halbzeit keine Torchance. Spielmacher Marcelinho wirkte, wie schon in den Bundesligaspielen zuvor, kraft- und ideenlos. Herthas einstiger Ersatztorwart Manuel Greil, der das Kieler Tor hütete, musste erst nach 52 Minuten zum ersten Mal eingreifen. Da lag der Ball im Tor. Preetz hatte eingeköpft, Bart Goor zuvor von rechts geflankt.

Nach dem Ausgleich entwickelte sich ein ausgeglichenes Spiel. Kiel trieb mit Kontern den Ball nach vorn und hatte durch Marek Trejgis die beste Chance; Simunic klärte erst im letzten Moment. Ein Alleingang von Dimitrijus Guscinas führte ebenfalls nicht zu einem Treffer, der Litauer schoss am Tor vorbei. In der Schlussphase der regulären Spielzeit war auch Hertha dem Sieg nahe. Doch einen Schuss von Karwan konnte der hervorragende Greil parieren, danach zielte Goor über das Tor. In der Verlängerung dann scheiterte Marcelinho zweimal – einmal verfehlte er das Tor knapp, einmal boxte Greil einen seiner Freistöße von der Linie.

Im Elfmeterschießen wuchs Greil über sich hinaus. Zunächst hielt er den Schuss von Roberto Pinto. Die zweite Chance vergab Schmidt, als er nur die Latte traf. Hartmann schließlich scheiterte wieder an Greil. Die Kieler Fans feierten ihren Torwart und die Pokalsensation mit stehenden Ovationen.

Auf die Einstellung kommt es an, nicht auf die Aufstellung. Das hatte Huub Stevens vor dem Spiel verkündet. Ausgiebig hatte er die Kieler Kicker beobachten lassen, schon ein Tag vor dem Spiel war die Mannschaft an die Ostsee geflogen. Sogar das Präsidium war nach Kiel gereist. Nichts sollte dem Zufall überlassen werden. Nun ist Hertha ausgeschieden. Und Huub Stevens steht in der Bundesliga unter noch größerem Druck.

0 Kommentare

Neuester Kommentar