Sport : Das unnötige Finale

Stefan Hermanns

über das lästige Spiel um Platz drei Willi Schulz, der gute alte Ausputzer der Fußball-Nationalmannschaft, hat schon vor 35 Jahren sehr deutlich zum Ausdruck gebracht, was von einem Spiel um Platz drei zu halten ist. Eigentlich sollte Schulz auch im kleinen Finale der WM 1970 gegen Uruguay die deutsche Abwehr zusammenhalten. Doch nach der Ankunft im Aztekenstadion von Mexiko stellte Schulz fest, dass er seine Fußballschuhe im Mannschaftsquartier hatte stehen lassen. Es ist nie genau geklärt worden, ob er die Schuhe vergessen oder sie absichtlich im Hotel zurückgelassen hatte. Als gesichert darf jedoch gelten, dass ihm dieses Malheur ganz bestimmt nicht widerfahren wäre, wenn die Deutschen gegen Brasilien im Endspiel gestanden hätten.

Mit dem Spiel um Platz drei verhält es sich wie mit dem menschlichen Blinddarm. Vor Urzeiten mag es einmal eine gewisse Bedeutung gehabt haben, inzwischen aber besitzt es keine lebensnotwendigen Funktionen mehr. Es ist der Wurmfortsatz des Turniers, das unnötige Finale. Oder hat sich je jemand darüber beklagt, dass bei Europameisterschaften seit 1984 kein Spiel um Platz drei mehr ausgetragen wird? Es ist daher ein guter Witz, dass ausgerechnet der Confed-Cup ein Spiel um Platz drei hat. Oder ein schlechter Scherz. Im besten Fall eine geschickte Disziplinarmaßnahme des Veranstalters: Wie verhindern wir, dass eine Mannschaft das Halbfinale einfach abschenkt? Wir drohen mit einem Spiel um Platz drei!

Jedenfalls zählt es zu den glücklichen Zufällen der deutschen Fußball-Geschichte, dass die Nationalmannschaft zwar siebenmal im WM-Finale stand, aber nur dreimal – 1934, 1958 und 1970 – um Platz drei spielen musste. Aber was heißt schon Zufall? In seinen besten Zeiten hat sich der deutsche Fußball gerade dadurch ausgezeichnet, dass er sich immer auf das Wesentliche konzentrieren konnte. Für eine Mannschaft, die gegen die Großen nicht mehr gewinnen kann, ist das Spiel um Platz drei daher wohl genau das Spiel, das sie verdient.

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