Sport : Das verbotene M-Wort

Meisterbezwinger Füchse Berlin bleibt bescheiden

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Berlin - Bei einem gemeinsamen Essen hatten Bob Hanning und Ingo Schiller allen Grund, sich auf die Schultern zu klopfen. „Schließlich sind unsere Teams die Meisterbezwinger des Wochenendes“, spricht Füchse-Geschäftsführer Hanning nach dem 26:25 gegen den HSV Hamburg aus, was auch sein Hertha-Kollege nach dem 2:1 in Dortmund hätte sagen können. Im Gegensatz zu den Fußballern, die am Samstag gegen Augsburg gefordert sind, können sich die Füchse ein wenig zurücklehnen. Der Tabellenführers der Handball-Bundesliga will ganz unaufgeregt über die Chancen in den kommenden Wochen nachdenken. „Das Wort Meisterschaft wird bei uns bestimmt keiner in den Mund nehmen“, stellt Kapitän Torsten Laen klar. „Wir bleiben auf dem Boden.“

Aus der Sicht von Hanning wäre es eine „noch größere Sensation als der dritte Rang in der Vorsaison, wenn wir zwischen Platz drei und sechs einlaufen würden“. Immerhin kommt mit der Champions League eine weitere Belastung auf das Team zu. All das wolle man mit den Möglichkeiten stemmen, die den Füchsen gegeben sind. „Die schwarze Null im Etat steht für uns über allem“, sagt Hanning. Jüngst war im Elektronischen Bundesanzeiger zu lesen, dass die Bilanzen des EHC Eisbären zuletzt einen Fehlbetrag von 2,1 Millionen Euro aufwiesen – trotz durchschnittlich 14 000 Zuschauern. Die Summe ist beim Berliner Eishockeyteam durch einen Gesellschafter gedeckt. Für die Füchse wäre ein ähnliches Minus wohl der Todesstoß. „Deshalb verfolgen wir auch keine Hirngespinste, sondern werden uns auch weiterhin von innen heraus, vor allem auch mit Blick auf den Nachwuchs, entwickeln“, analysiert Hanning.

Dass das Potenzial noch nicht ausgeschöpft ist, weiß auch Trainer Dagur Sigurdsson, der den HSV mit einer offensiven 5:1-Abwehr knackte. „Wir haben volles Vertrauen in Dagur und seine Entscheidungen“, sagt Torsten Laen. „Für uns ist das Wichtigste, dass wir bereits wieder auf dem Level der Vorsaison angekommen sind. So können wir in der Schmeling-Halle jeden Gegner bezwingen.“ Dabei ist von den Neuzugängen bisher lediglich der spanische Star Iker Romero in Erscheinung getreten. Jewgeni Pewnow wartete gegen Hamburg vergeblich auf seine Einwechslung, Jonathan Stenbäcken hat nach einer Erkrankung noch Trainingsrückstand.

„Sie werden uns in dieser Saison noch sehr helfen“, urteilt Sigurdsson, der auch auf eine Rückkehr des verletzten Rechtsaußen Markus Richwien hofft. Aber gerade dessen Ausfall beweist, wie gut die Füchse mit ihrer Nachwuchsarbeit beraten sind. Junioren-Weltmeister Johannes Sellin ist bei Weitem kein bloßer Richwien-Ersatz, er setzt mit seiner Wurfvariablität und bereits erstaunlicher Abgeklärtheit längst eigene Akzente. Und schon kündigen sich weitere Talente an. Vor dem Bundesligaspiel der Männer bezwang die von Bob Hanning trainierte A-Jugend der SG Spandau/Füchse Berlin den HSV Hamburg mit 42:21. In diesem Spiel wurde allerdings nicht der Meister der neu geschaffenen Bundesliga besiegt. Das sind die Berliner nämlich selbst.

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