Sport : Das verbotene Spiel

20. März 1976: Jürgen Friedl gibt mit 17 Jahren und 26 Tagen sein Bundesligadebüt

Stefan Hermanns

Am 24. August 1963 ist die Fußball-Bundesliga in ihre erste Saison gestartet. Seitdem hat die Liga viele schöne Geschichten geschrieben. In loser Folge erinnern wir an Rekorde und Glanzleistungen, heute an den jüngsten Spieler.

Am Abend des 20. März 1976 hätte Jürgen Friedl einen großen Auftritt haben können. Seinen zweiten an diesem Tag. Am Nachmittag, nicht mal vier Wochen nach seinem 17. Geburtstag, hatte der Torhüter für Eintracht Frankfurt sein Debüt in der Bundesliga gegeben. Friedl ist damit der jüngste Spieler, der je in der Bundesliga zum Einsatz gekommen ist. Und am Abend nach dem Spiel sollte er im Aktuellen Sportstudio auftreten. Für Friedl wäre das eine große Sache gewesen, „da vielleicht auf die Torwand zu schießen“. Aber am frühen Abend wurde er wieder ausgeladen. Ein 17-Jähriger in der Bundesliga – heute würde das Fernsehen verrückt spielen. Friedls Rekord aber ist damals beinahe ignoriert worden. Die Sportschau wollte eigentlich einen Bericht vom 5:1-Sieg der Frankfurter gegen Hannover 96 zeigen. „Die haben das Spiel bewusst rausgelassen“, sagt Friedl. Das Problem war: Friedl hätte gar nicht eingesetzt werden dürfen.

Kurz nach dem Schlusspfiff kam Eintracht- Geschäftsführer Jürgen Gerhard in die Frankfurter Kabine. „Haltet ganz schnell die Füße still“, sagte er. „Uns ist da ein Fehler unterlaufen.“ Nach den Statuten des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) durften nur A-Jugendliche des älteren Jahrgangs in der Bundesliga eingesetzt werden. Friedl aber spielte noch in der A 2. Der DFB hatte trotzdem die Spielgenehmigung erteilt. Gleich nach dem Spiel wurde sie wieder eingezogen, und weil die Eintracht fürchtete, dass die abstiegsgefährdeten 96er Protest einlegen könnten, sei sein Rekord „unter dem Deckmantel des Schweigens“ behandelt worden, sagt Friedl.

Der 17-Jährige machte damals noch eine Lehre zum Bauzeichner bei der Bundesbahn, zwei- bis dreimal die Woche trainierte er bereits mit den Profis. Mitte März brach sich der erste Torhüter Günther Wienhold beim Spiel in Mönchengladbach das Sprunggelenk. Der fast 35 Jahre alte Peter Kunter musste wieder spielen, und in der folgenden Woche, gegen Hannover, saß Friedl zum ersten Mal auf der Bank. Der 17-Jährige fand es schon beeindruckend, seinen Namen auf der Anzeigetafel zu lesen. Es sollte noch beeindruckender werden.

Schon zur Pause führte die Eintracht 3:0. Doch Kunter hatte muskuläre Probleme. „Jürgen, mach dich warm!“, sagte Trainer Dietrich Weise Anfang der zweiten Halbzeit. Friedl brauchte ein wenig, bis er begriff, dass er gemeint war. „Wer sonst?“, sagte er sich schließlich. „Ist ja kein anderer Torhüter da.“ In der 64. Minute wurde Friedl eingewechselt. Ein paar Flanken musste er abfangen, zwei, drei Schüsse kamen auf sein Tor, „weniger als in der A-Jugend“. Doch kurz vor Schluss kassierte er noch das Tor zum 1:5, aber „das war nicht wild“.

In der Saison 1978/79 durfte Friedl noch zweimal in der Bundesliga spielen. Danach war seine Profikarriere beendet. Frankfurts Manager Udo Klug hielt den Torhüter mit 1,75 Meter für zu klein für die Bundesliga. Friedls Rekord aber hat bis heute niemand eingestellt. Lange ging das auch gar nicht – weil die Regel, dass nur die älteren A-Jugendlichen in der Bundesliga spielen dürfen, erst im Sommer 2000 geändert wurde. Jürgen Friedl sagt: „Bei der momentanen Nachwuchsarbeit der Bundesligavereine könnte der Rekord noch länger bestehen bleiben.“

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