Sport : Das verflixte vierte Jahr

Jörg Wenig

Alle vier Jahre scheint die Zeit für Mike Fenner gekommen zu sein. 1994 gewann der Berliner Hürdensprinter, der seit einem Jahr für den TV Wattenscheid startet, die Bronzemedaille bei den Hallen-Europameisterschaften in Paris. Vier Jahre später stand er wieder im Finale der Hallen-EM über 60 m Hürden. Damals lief er in Valencia haargenau dieselbe Zeit wie in Paris: 7,58 Sekunden. Und damit war Mike Fenner wiederum Dritter. Gestern hat in Wien die Hallen-EM begonnen. Der 30-Jährige qualifizierte sich bereits für das Halbfinale.

"Das wäre nicht schlecht", sagt Mike Fenner zu einer möglichen Fortsetzung seines Vier-Jahres-Rhythmus. "Aber das Hauptziel ist natürlich die EM im Sommer in München." In der Sommersaison möchte er sich über 110 m Hürden auf höherem Niveau stabilisieren. "Ich möchte in eine Form kommen, in der ich in einem ganz normalen Lauf ohne weiteres eine 13,30er-Zeit laufen kann." Und dann ist für Fenner vielleicht mehr möglich als bei den letzten beiden Europameisterschaften. 1994 wurde er in Helsinki im Finale trotz einer Verletzung Fünfter, 1998 belegte er in Budapest Rang sieben.

Im Frühjahr 1995 lief Fenner in Scheeßel mit 13,06 Sekunden einen sensationellen deutschen Rekord über 110 m Hürden. So erstaunlich war seine Zeit, dass sie international angezweifelt wurde und man von einem Fehler der Zeitmessanlage ausging. Dennoch verpasste er damals die WM-Qualifikation. Nachdem er Olympia 1996 nicht in Atlanta, sondern aufgrund einer Verletzung am Fernsehschirm eines Berliner Krankenhauses erlebt hatte, fehlte ihm auch bei der WM in Athen 1997 das Glück. Um weniger als eine Hundertstelsekunde verpasste er das Halbfinale. Und als Fenner auf dem Weg ins Athener Stadion war, um sich das Hürdensprintfinale anzuschauen, trat er in ein Loch, knickte um und zog sich einen Bänderriss im linken Knöchel zu. Dem insgesamt guten EM-Jahr 1998 mit dem nicht optimalen Höhepunkt in Budapest folgten dann wieder zwei schwere Jahre. Knieprobleme behinderten ihn 1999, und eine leichte Achillessehnenverletzung stoppte ihn 2000 vor Sydney, nachdem er bereits im Mai die Olympianorm unterboten hatte.

Unter seinem neuen Coach Uwe Hakus, der als Sprint-Bundestrainer auch Florian Schwarthoff betreut, war Fenner 2001 mit 13,37 Sekunden der schnellste deutsche Hürdensprinter. "Bei der WM fehlte ihm im Halbfinale vielleicht noch ein bisschen die Kaltschnäuzigkeit - das ist verständlich, wenn man bedenkt, dass er 1998 das letzte Mal bei einem großen internationalen Wettkampf dabei gewesen ist", analysierte Uwe Hakus damals und fügte hinzu: "Das heben wir uns für das nächste Jahr auf." Die Zeit ist nun gekommen.

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