Sport : Das verkaufte Cockpit

Der Österreicher Christian Klien darf erstmals für Jaguar in der Formel 1 fahren – weil ein Sponsor dafür bezahlt hat

Karin Sturm

Melbourne. Eines kann Christian Klien schon nicht mehr hören: Er hätte sich seinen Platz in der Formel 1 nicht mit Leistung verdient, sondern es wäre einfach nur genug Geld geflossen, damit der 21-Jährige neuer Pilot bei Jaguar wird. „Ich habe doch eine gute Formel-3-Saison hinter mir“, sagt der Österreicher. In der Euroserie wurde er auf Anhieb Zweiter und gewann drei Rennen. „Wenn das nicht gewesen wäre, dann wäre die Formel 1 kein Thema. Danach habe ich auch einen sehr guten Formel-1-Test gemacht. Dann haben wir es mit der Unterstützung durch Red Bull gemeinsam geschafft.“

Es ist nicht bekannt, wie viele Millionen Red-Bull-Chef Dietrich Mateschitz wirklich investiert hat, damit Klien in der Formel 1 mitfahren darf, die an diesem Wochenende in Melbourne beginnt. Jedenfalls fördert er Klien schon seit acht Jahren. Daher wird heftig spekuliert. Zunächst wurde von zwölf Millionen Euro gesprochen. Jetzt stehen fünf Millionen im Raum. Ob dies der Wahrheit näher kommt, will Klien nicht verraten. „Über Zahlen redet man nicht.“

Die Unterlegenen im Kampf ums Jaguar-Cockpit waren da deutlicher. Kliens Landsmann Alexander Wurz, der mit Jaguar angeblich schon ein Handschlagabkommen hatte, Nick Heidfeld, dem Jaguar sogar selbst ein Angebot gemacht hatte, und der ehemalige Weltmeister Jacques Villeneuve mussten dem Jungspund aus Hohenems in Vorarlberg weichen und posaunten manche Zahl heraus. Sie alle haben sich gefragt, warum ein Werksteam wie Jaguar mit dem Ford-Konzern im Rücken seine Plätze verhökert, wie es bisher nur bei Privatteams wie Minardi oder Jordan üblich war.

Eines ist sicher: Von den drei Neulingen, die 2004 mit viel Geld einen Formel-1-Platz erhielten, ist Klien derjenige mit den besten Perspektiven. Die beiden Italiener Giorgio Pantano und Gianmaria Bruni bei Jordan und Minardi dürften kaum mit sensationellen Leistungen auffallen. Aber auch für sie sollen fünf bis sechs Millionen Euro bezahlt worden sein, um sie ins Cockpit zu bringen. Wenn Klien Erfolg hat, würde sich eine Zahlenreihe fortsetzen. Denn alle zehn Jahre scheinen große Namen in die Formel 1 zu kommen: 1984 debütierten zum Beispiel Gerhard Berger, Stefan Bellof und Ayrton Senna, Kliens großes Idol, seit er ihn 1992 als Neunjähriger im Fahrerlager von Hockenheim traf. 1994 begannen Heinz-Harald Frentzen, David Coulthard und Olivier Panis.

Sogar Michael Schumacher kam 1991 bei Jordan zu seinem ersten Grand-Prix-Einsatz, weil Geld dafür bezahlt wurde. Zwischen 200 000 und 300 000 Mark sollen damals von Mercedes und einigen Privatpersonen bezahlt worden sein. Eine Investition, die sich bekanntlich gelohnt hat.

Klien fuhr bei Testfahrten bereits sehr abgeklärt. Wenn ihm das auch im Wettkampf gelingt, könnte sich das öffentliche Interesse von seinem erkauften Weg in die Formel 1 bald auf seine sportliche Leistung richten. Der Österreicher dürfte das begrüßen.

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