Sport : Das Versprechen von Rostock

Mit der Zeit haben Trainer so ihre Standardsprüche. Zum Beispiel Friedhelm Funkel. Der sagte seinen Spielern beim FC Hansa Rostock immer: "Wer die wenigsten Fehler macht, hat Erfolg. Nicht wer den schönsten Fußball spielt." Hansa spielte unter Funkel keinen schönen Fußball. Die Mannschaft schoss wenig Tore, sie rackerte sich oft grätschenden Fußes von Unentschieden zu Unentschieden. Für den Klassenerhalt reichte das allemal. Doch im Herbst wurde der Nachteil dieser Minimal-Taktik offenbar: Die Perspektive fehlte. Viele Rostocker Fußballer verloren die Lust an ihrem Beruf, weil ihr Trainer nur vom Kampf sprach und tägliches Konditionstraining verordnete. Auf dem Spielfeld häuften sich die Fehler, selbst kleine Erfolge blieben aus. Die Fans forderten "Fußball statt Funkel". Sie wurden erhört, Funkel musste gehen. Zum Jahresanfang beerbt ihn ein neuer Cheftrainer: Armin Veh. Er war bislang nur in der zweiten Liga aktiv. Ein Rückschritt?

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Bundesliga-Tippspiel: Das interaktive Fußball-Toto von meinberlin.de Nein. Denn auch Armin Veh hat einen Standardspruch. Der einstige Profi hatte als Coach des SSV Reutlingen immer folgende Weisheit parat: "Ein guter Fußballer grätscht nicht." Vor zwei Jahren führte Veh ein schwäbisches Provinzteam aus der Regionalliga in die Zweite Bundesliga - mit schnellem Kurzpass-Spiel und taktischer Offensive. In der zweithöchsten Spielklasse spielte Vehs Mannschaft immer oben mit. Angesichts der Ausgeglichenheit dieser Liga kein schlechtes Zeugnis.

Veh war der Rostocker Wunschkandidat. Kein Wunder, denn die Vereinsführung stand unter Druck. Vor der Saison hatte sie den Fans offensiven Fußball versprochen. Der Gang ins moderne Ostseestadion sollte ein Erlebnis werden: atmosphärisch und sportlich. Nun wird das Versprechen eingelöst. Mit einem mutigen Trainer aus der Provinz. Fragt sich nur, ob die rackernden Hansa-Spieler reif dafür sind.

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