Sport : „Das Viertelfinale muss einfach drin sein“

Verteidiger Dennis Seidenberg über die Chancen der Eishockey-Nationalmannschaft in Turin

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Herr Seidenberg, wie ist Ihr Gefühl nach den ersten beiden Spielen der deutschen Eishockey-Nationalmannschaft in Turin?

Wir haben uns ganz gut geschlagen. Ein, zwei Leichtsinnsfehler haben wir begangen. Ich denke mal, dass wir das gegen Italien und die Schweiz abstellen können. Gegen die müssen wir gewinnen. Das Viertelfinale muss drin sein.

Das Spiel gegen Tschechien war lange Zeit eng, die deutsche Mannschaft hatte sogar Chancen zum Ausgleich – es endete trotzdem 1:4. Einen Tag später kommt die Schweiz, ein Team, in dem weniger NHL-Profis spielen als im deutschen, und schlägt die Tschechen. Ärgert Sie das nicht?

Wir haben am Ende defensiv nicht mehr konsequent genug gespielt und dann unsere Chancen nicht reingemacht. Tja, man ärgert sich schon, wenn es so ausgeht.

Weil es irgendwie immer das Gleiche bei deutschen Mannschaften ist: Gut gekämpft und trotzdem verloren?

Stimmt, ich sehe es auch so, dass wir nicht genug Tore schießen. Aber wir arbeiten gut, und jetzt brauchen wir mehr Glück. Gegen Italien und die Schweiz müssen wir Tore schießen, das wichtig.

Beim 1:5 gegen Kanada hatten Sie gar keine Chance. Die Kanadier mussten sich gar nicht richtig anstrengen, um Deutschland zu schlagen. Ist so viel Arroganz nicht frustrierend?

Ich kann die Kanadier verstehen. Es ist nicht einfach, gegen einen schwächeren Gegner zu spielen. Als sie vorne lagen, haben sie sich nicht mehr so angestrengt.

Nach dem Motto: Wozu soll man sich anstrengen, um Deutschland zu schlagen?

Es war ihnen wohl egal, ob sie uns 5:1 oder 10:1 schlagen.

Das letzte Mal haben Sie im Sommer 2004 beim World Cup of Hockey für das Nationalteam gespielt, da war Franz Reindl Interimstrainer. Vorher war Hans Zach Bundestrainer. Hat sich viel geändert?

Wir spielen jetzt mit Uwe Krupp ein anderes System. Beim Hans haben wir defensiver gespielt, jetzt spielen wir eher gestaffelt, mehr mit Forechecking.

Die Zeit mit Greg Poss und den Abstieg 2005 in Österreich haben Sie nicht miterlebt, aber sicher viel davon gehört?

Ich habe alles mitbekommen und im Internet nachgelesen. Außerdem hat mir mein Bruder Yannic, der in Ingolstadt spielt, viel erzählt. Es ist enttäuschend, dass wir in der B-Gruppe sind. Wir werden aber gute Chancen haben, wieder aufzusteigen.

Sie sagen wir. Werden Sie im April bei der B-WM in Amiens dabei sein?

Wenn ich kann, werde ich dabei sein. Wenn ich mit Phoenix in der National Hockey League in die Play-offs komme, wird es schwer. Im Moment liegen wir sieben Punkte hinter den Play-off-Plätzen.

Wie gefällt es Ihnen bei den Phoenix Coyotes? Sie sind ja vor drei Wochen von Philadelphia nach Phoenix transferiert worden.

Wunderbar. Wir haben jeden Tag Sonnenschein, keine Wolke am Himmel, 25 Grad. In Philadelphia war es immer kalt, wie in Deutschland. In Phoenix gehe ich in kurzen Hosen und T-Shirt aus der Trainingshalle. Naja, und Wayne Gretzky, den weltbesten Spieler, als Trainer zu haben, ist ...

Ein Traum?

Ja, ein Traum. Er ist eine Respektsperson, früher habe ich mir wegen ihm die Spiele in der NHL angeschaut. Tja, und jetzt ist er mein Trainer. Das motiviert natürlich zusätzlich. Es läuft gut, ich bekomme viel Eiszeit und ich werde wohl in Phoenix bleiben.

Das Gespräch führte Christiane Mitatselis.

Dennis Seidenberg (24) wechselte 2002 von Mannheim in die NHL zu den Philadelphia Flyers. Seit Januar spielt der aus Villingen stammende Verteidiger in der NHL für die Phoenix Coyotes.

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