Sport : Das wahre Finale

Friedhard Teuffel

Vielleicht haben diejenigen, die dieses Land in den vergangenen Wochen am meisten verändert haben, am wenigsten davon mitbekommen: die deutschen Nationalspieler. Auf einmal hatten die Menschen schließlich ihr Wohnzimmer auf die Straße verlegt, sie haben dort gefeiert, als ob jeder Tag während dieser Weltmeisterschaft ein Rosenmontag wäre. Die Nationalspieler aber haben die tanzende deutsche Seele nur kurz durch getönte Busscheiben sehen können auf ihrem Weg ins Stadion.

Am Sonntag wird das anders sein. Die Nationalelf wird zum Herz der WM vorstoßen, der Fanmeile in Berlins Mitte. So hat sie es selbst beschlossen, und es ist eine schöne Geste an die Fans, ein Zeichen der Dankbarkeit. Im Grunde haben auch beide Seiten etwas davon. Die Spieler bekommen schlagartig einen Einblick in das gewandelte deutsche Innenleben. Jens Lehmann hat schon eine Ahnung, was ihn erwartet, und spricht vom wahrscheinlich emotionalsten Moment seiner Karriere als Fußballspieler.

Die Fans ihrerseits erhalten eine Bestätigung. Zwar hat sich die Mannschaft während der WM abgeschottet. Aber sie hat das nur für den Erfolg getan, nicht um sich zu entziehen. Die WM war ein großes Gemeinschaftsprojekt, das werden die Spieler den Fans am Sonntag zeigen können.

Und Jürgen Klinsmann? Ihm wird die Tour durch Berlin vielleicht eine letzte emotionale Entscheidungshilfe sein. Wird er tatsächlich aufhören können nach einem Erlebnis wie diesem?

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