Sport : Das wahre Phänomen

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Aus gegebenem Anlass möchten wir noch einmal das Fotoalbum der Klasse von 2002 herauskramen. Fast zehn Jahre ist das WM-Endspiel von Yokohama zwischen Deutschland und Brasilien jetzt her, und so langsam verblassen auch die letzten Klebebilder der Spieler. Metzelder wird immer lichter, Frings ist nur noch schemenhaft zu erkennen, auch Ballack hat sich offensichtlich so langsam mit dem unvermeidlichen Verbleichen abgefunden. Auf der Gegenseite wird der große Ronaldo, il fenômeno, heute auch aus der Nationalmannschaft verabschiedet – fünfzehn Minuten lang darf er sich gegen Rumänien unter dem Applaus der Zuschauer noch einmal im Nationaltrikot über den Platz wuchten.

Nur einer wehrt sich standhaft dagegen, zur historischen Person erklärt zu werden. Wo Ronaldos aufgeschwemmter Körper kaum noch als der eines zweifachen Weltmeisters und WM-Torschützenkönigs auszumachen ist, greift der drahtige Miroslav Klose noch einmal an. Der gebürtige Pole ist auf seine Art ein Phänomen. Wie oft wurde ihm das Talent abgesprochen, wie oft wurde er abgeschrieben, aber immer ist er wiedergekommen. Und er gibt auch jetzt nicht auf.

Klose hätte einen gut dotierten Einjahresvertrag bei Bayern München auf der Bank absitzen können. Doch der ewige Miro denkt auch im hohen Stürmeralter nicht an die Rente. Seine Nahziele sind die EM 2012, bei der er endlich einen internationalen Titel gewinnen will, und Gerd Müller. Sieben Treffer fehlen ihm noch zu dessen Rekord von 68 Länderspieltoren. Deswegen wagt Klose einen Neuanfang fern von München: Er will wieder spielen, noch mindestens zwei Jahre lang. Dann wäre er 35. Ronaldo war schon mit Ende zwanzig ein laufendes Wrack, Ronaldinho ist noch früher verbrannt.

Miroslav Klose tippelt und hechtet weiter. Ob nun künftig in Valencia, England, Italien oder Dortmund, ist egal. Er wird noch tippeln, wenn seine Nachbarn im Fotoalbum schon längst ausgebleicht sind.

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