Sport : Das Warten geht weiter

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Andy Murray hat das wichtigste Match seines Lebens verloren. Der erste Brite seit 76 Jahren hätte er werden sollen, der den heiligen Rasen von Wimbledon am Finalsonntag als Sieger verlässt. Doch im entscheidenden Moment brachte er seine Nerven und seine Physis nicht zusammen. Auch das vierte Grand-Slam-Finale seiner Karriere hat er verloren. Und trotzdem hat Andy Murray an diesem Nachmittag viel gewonnen.

Allein, dass er es hier unter dem Druck der Heimat endlich schaffte, das Finale zu erreichen, war schon mehr, als man angesichts der starken Konkurrenz mit Djokovic, Nadal und Federer von ihm erwartet hatte. Und, viel wichtiger, er hat sich endlich in die Herzen der Briten gespielt.

Es war eine schwierige Beziehung zwischen dem anspruchsvollen Londoner Publikum und dem Briten, der ja vielmehr Schotte ist und damit schon ein Problem. Die Zuschauer haben lange gebraucht, ihn zu akzeptieren: Zu unbeherrscht war er ihnen, zu wild, zu wenig der glatte Gentleman à la Tim Henman, den die Briten so viel lieber hätten siegen sehen. Doch Henman trat titellos ab, erreichte nie das Finale. Und je reifer Murray wurde, je konstanter er in Wimbledon Siege ablieferte, desto mehr akzeptierten ihn die englischen Zuschauer als den Ihren. Seit diesem Sonntag ist der Henman-Hill vor den Toren des Centre Courts endgültig zum Murray-Mountain geworden.

Murray muss sich nicht schämen für dieses Finale, auch wenn er sich am Schluss kaum noch auf den Beinen halten konnte und ab dem dritten Satzen etwas zu schnell den Kopf hängen ließ. Er hat gegen den spätestens seit gestern wohl endgültig Größten dieses Sports verloren, der rechtzeitig zu den Olympischen Spiele wieder zu Bestform gefunden hat.

Doch da liegt liegt auch Murrays großes Problem. In der Generation der talentierteren Federer, Nadal und Djokovic könnte er der ewige Zweite bleiben. Seit 76 Jahren warten sie in Wimbledon auf einen heimischen Champion. Vielleicht werden sie weitere 76 Jahre warten müssen.

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