Sport : Das weiße Wunder

Wynton Rufer lebt mit Neuseeland einen Traum

Wynton Rufer

Boy, was wir Kiwis hier in Südafrika erleben, ist ein fantastischer Traum! Seit November 2009, seit der Qualifikation für die WM, ist in Neuseeland das Fußballfieber ausgebrochen. Die Kids auf der Straße haben das Rugby-Ei gegen Fußbälle getauscht, die Leute tragen die Trikots der „All Whites“ statt der „All Blacks“ und ich muss fast täglich sagen, wie das alles zu erklären ist. Ich sage euch, wie es ist: Wir leben ein Wunder.

Schaut euch unsere Mannschaft an, die in Südafrika die Fußballwelt verwirrt! Da sind vier Amateure im Kader, und den Rest der Mannschaft kennt eigentlich auch niemand. Außer unserem Kapitän Ryan Nelsen und vielleicht Shane Smeltz haben wir keine Spieler, die auch nur annähernd eine Chance hätten in den anderen Teams. Und diese Truppe spielt 1:1 gegen den Weltmeister aus Italien! Was, bitte, ist das anderes als ein echtes Wunder?

Die Leute fragen mich die ganze Zeit: Wynton, welchen Fußball spielt ihr Kiwis eigentlich da unten am Kap? Ich verrate euch ein Geheimnis: Wir spielen wie früher die Deutschen. Nicht besonders, aber erfolgreich. So sieht’s aus.

Für das Spiel gegen Italien bin ich extra nach Südafrika geflogen. Vor dem Spiel traf ich Paolo Maldini und Italiens Verbandspräsidenten. Seine Hand war feucht, die Stimme zittrig. So weit haben es die „All Whites“ schon gebracht: Die größten Fußballnationen des Planeten sind nervös, wenn es gegen uns geht! Nur kurz zur Erinnerung: Wir haben 25 professionelle Fußballer in Neuseeland. Italien 3541. Das muss man sich mal vorstellen.

Und nun heute gegen Paraguay. Was soll ich sagen, meine Hände sind trocken – und hör nur, wie fest meine Stimme ist. Ich bin alles andere als aufgeregt und die Jungs sind es auch nicht. Warum? Weil wir keinen Druck haben. Blamieren können sich nur die anderen.

Wynton Rufer, 47, war 17 Jahre lang neuseeländischer Nationalspieler. Von 1989 bis 1995 stürmte er bei Werder Bremen. Aufgezeichnet von Alex Raack.

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