Sport : Das wichtige Jahr vor der Zukunft

Borussia Mönchengladbach träumt wieder von großen Zeiten

Frank Hellmann

Bremen. Der böse Bube des Bremer Publikums verließ den Platz in gelöster Stimmung. Marcelo Pletsch, Verteidiger von Borussia Mönchengladbach, war bei jeder Ballberührung von den Werder-Fans ausgepfiffen worden, weil er am letzten Spieltag der vergangenen Saison Werders Markus Daun böse verletzt hatte. Von den Unmutsäußerungen im Weserstadion aber hatte sich der Verteidiger nicht beeindrucken lassen. „Ich habe nichts gehört“, sagte Pletsch.

Pletschs Gelassenheit passte zum Auftritt seiner Mannschaft, der weit stimmiger gewesen war als der der Bremer. Im Weserstadion verblüffte das notorisch auswärts schwache Ensemble der Gladbacher mit einer engagierten, entschlossenen und mutigen Vorstellung. Während Bremens Fußballer nach der Peinlichkeit gegen Pasching Beine aus Blei zu haben schienen, machten die Gäste physisch und psychisch den besseren Eindruck. Auch wenn der eingewechselte Joris van Hout erst gut zehn Minuten vor Schluss Ailtons Elfmetertor ausglich: „Der Punkt war mehr als verdient“, sagte Trainer Ewald Lienen. Und Stürmer Marcel Ketelaer behauptete sogar: „Das war unser bestes Auswärtsspiel seit einem Jahr.“

Allzu viel heißt das nicht: Seit fast einem Jahr, seit dem 2:1-Sieg im Berliner Olympiastadion gegen Hertha BSC, haben die Borussen nicht mehr auf fremden Plätzen gewonnen; in der vorigen Saison gab es keine Mannschaft, die eine schlechtere Auswärtsbilanz aufzuweisen hatte. Wenn Ketelaer sich wünscht, „dass wir häufiger so selbstbewusst auftreten“, spricht daraus eine tiefe Hoffnung aller Borussen und ihrer Anhänger. Immerhin holte Gladbacher nach neun Niederlagen in Folge zum ersten Mal im Weserstadion wenigstens wieder einen Punkt.

In der Tat gibt es Anzeichen, dass den Gladbachern diesmal keine Zittersaison bevorsteht. In Bremen zeigte sich Gladbachs Abwehr intakt, das Mittelfeld kompakt, der Angriff variabel. Der flinke Joonas Kolkka, mit der Empfehlung von 47 Länderspielen für Finnland von Panathinaikos Athen nach Mönchengladbach gekommen, hat zwar nicht die Klasse seines Landsmannes Mikael Forssell. Mit seiner Schnelligkeit und Wendigkeit ist er jedoch eine Belebung für den Angriff der Borussen. „Sehr zufriedenstellend“ findet Sportdirektor Christian Hochstätter den besten Saisonstart seit der Saison 1995/96. Vizepräsident Rolf Königs hat Platz neun als Saisonziel ausgerufen, in der Spielzeit darauf soll Borussia in den Uefa- Cup einziehen.

Hochstätter weiß, dass diese Saison eine der wichtigsten der Vereinsgeschichte ist. Das neue Stadion im Nordpark wächst und wächst und ist im Sommer 2004 bezugsfertig. 54 000 Zuschauer können dann kommen, es gibt endlich mehr Sitz- als Stehplätze, dazu Logen, Vip-Plätze und Business-Bereiche. „Wir können ein ganz anderes Fußball-Publikum ansprechen“, sagt Hochstätter, „nur vorher müssen wir die sportlichen Grundlagen schaffen, damit sich das neue Stadion rechnet.“

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