Sport : Das Wort hat der Trainer

Klaus Augenthalter versucht in Wolfsburg, trotz der wahrscheinlichen Trennung Haltung zu wahren

Frank Heike

Berlin - Am Abend vor der spektakulären Pressekonferenz hatte noch jemand versucht, Klaus Augenthalers Alleingang zu verhindern. Der 49-Jährige sagte nur: „Ich mache das. Ich brauche das“, und notierte sich seine vier Fragen auf einen kleinen Zettel. Bis zum Donnerstagnachmittag hielten die Verantwortlichen sein Vorhaben immer noch für einen Scherz. Doch Augenthalter meinte es ernst. Der Trainer des Bundesligaklubs VfL Wolfsburg stellte sich bei der Pressekonferenz vier Fragen, beantwortete sie, und verließ nach 42 Sekunden den Raum. Danach wirkte er erleichtert und gelöst.

In Wolfsburg beziffern Insider die Wahrscheinlichkeit, dass Augenthaler seinen Job behält, auf ein Prozent. Sollten hohe Siege in Aachen und gegen Bremen gelingen, sei ein Wunder nicht auszuschließen. Ansonsten: Trennung. Das ist auch bis zu ihm vorgedrungen. Augenthaler sagt: „Der Auftritt war reiner Selbstschutz. In dieser Woche gab es in den Zeitungen doch nur ein Thema: die Trainerfrage.“ Auf der Pressekonferenz hat Augenthaler peinliche Fragen nach seiner Zukunft verhindert. Er hat die Schlagzeilen durch sein Handeln bestimmt, nachdem er zuvor eine Woche lang alles Mögliche über sich hatte lesen müssen.

Augenthaler hat den VfL in seinen anderthalb Jahren nicht weitergebracht – elf Siege in 49 Spielen sind seine Bilanz – doch er hat sich nichts vorzuwerfen und schon gar nicht verdient, so behandelt zu werden: Dass Augenthaler intern schon entlassen sei, streute Volkswagen-Kommunikationschef und VfL-Aufsichtsratsmitglied Stephan Grühsem seit Wochenbeginn. So wurde Augenthaler als Hauptschuldiger der Misere dargestellt.

Der VfL steht nun vor einem Scherbenhaufen: Im schlimmsten Falle steigt er ab und steht dann ohne Trainer und ohne Sportchef in der Zweiten Liga da. Die bessere Variante ist das personell gleiche Szenario, nur in der Bundesliga. Dass Grühsem gern Felix Magath hätte, spricht eher für Selbstüberschätzung denn für Realitätssinn. Es müsste schon sehr viel Geld sein, dass den erwünschten Kandidaten in die niedersächsische Provinz führen könnte. Mit Tradition kann der VfL nicht werben, ebenso wenig mit Erfolgen oder großem Fanzuspruch. Auch die Glaubwürdigkeit hat gelitten. Auf die Negativliste für jeden Trainerbewerber kommt jetzt auch noch ein aktionistisch mitregierender Aufsichtsrat.

Die altgedienten Vereinsangestellten bekümmert, dass man den von Augenthaler und Geschäftsführer Klaus Fuchs eingeschlagenen Weg der Kontinuität gerade wieder verlässt und sich auf die Suche nach dem sechsten Trainer in den fünf Jahren seit Wolfgang Wolf begibt. Wolf wollte nach fünf langen Jahren gehen, Röber fehlte es an Glück, Gerets zerstritt sich mit dem damaligen Manager Strunz, Fach brachte alle gegen sich auf, bei Augenthaler hat nun zum ersten Mal das Kontrollgremium eingegriffen – jeder Fall ist anders, die Folge dieselbe: Man fängt immer wieder von vorn an.

Augenthaler muss sich eigentlich nur eines vorwerfen lassen: Er hat sehr früh auf eine Stammformation gesetzt und sich kaum um die Ergänzungsspieler gekümmert. So gab es keinen internen Druck, und Akteure wie Madlung oder Krzynowek haben trotz wochenlanger Formschwäche die Startelf-Garantie. Das kritisierte jetzt auch Fuchs. Über die eigentlich Schuldigen hat niemand gesprochen in diesen Tagen, alles entlud sich auf Augenthaler. Die braven Wolfsburger Profis, seit Jahren ausgesprochene Minimalisten in Einsatz und Aufwand, könnten mit einem Punktgewinn in Aachen den Absturz verhindern. Ihren Chef werden sie dadurch nicht mehr retten.

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