Das Wort zum Spieltag : ABSTIEGSKAMPF

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Bierduschen in München? Champagner-Fontänen in Dortmund? Konfetti-Kanonen in Gelsenkirchen? Von wegen! Am Wochenende sind in der Fußball- Bundesliga die ersten Entschei- dungen der Saison gefallen, aber an der großen Öffentlichkeit ist das nahezu unbemerkt vorbei gegangen. Die Bayern, der BVB und Schalke haben am 19. Spiel- tag die notorische 40-Punkte- Grenze übersprungen und sich damit für ein weiteres Jahr den Verbleib in der Bundesliga gesichert. Die Hälfte der Liga kann von solchen Erfolgen im Moment nur träumen.

So viel Abstiegskampf war lange nicht. Das halbe Klassement zittert noch. Gerade fünf Punkte trennen den Tabellenachten vom ersten Abstiegsplatz. Seitdem es für einen Sieg drei Punkte gibt, waren es nie weniger.

Der Keller fängt in diesem Jahr sozusagen schon im zweiten Stock an. Und neben den Keller- asseln, die sich erst richtig wohl fühlen, wenn es kalt, feucht und dunkel ist, trifft es auch in diesem Jahr wieder Teile der besseren Gesellschaft, die mit den unwirtlichen Umständen erst recht überfordert sind und panisch den Lichtschalter suchen. Aber es gibt keinen. Abstiegskampf ist wie Dschungelcamp. Es zählt nicht, was man mal war, sondern nur, was man noch ist. Wer das nicht selbst erlebt hat, hat keine Ahnung, was ihn erwartet.

Abstiegskampf ist kein kalkulierter Nervenkitzel, kein Hobby wie Bungeespringen. Es ist ein Fulltime-Job, der den ganzen Kerl fordert und einfach nicht aufhören will. Niemand hat das schöner umschrieben als Reiner Calmund: „Das Abstiegs- gespenst sitzt zu Hause in meinem Wohnzimmer. Und wenn ich abends das Licht ausknipse, liegt es schon unter meiner Decke.“ Nur kuscheln will es leider nicht. Stefan Hermanns

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