Das Wort zum Spieltag : MAUER

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Hoffenheim mauert – zu spät. Foto: firo
Hoffenheim mauert – zu spät. Foto: firoFoto: firo Sportphoto

Einmal in Geschichte nicht aufgepasst, und schon ist er drin im Tor, der Ball! Während Hoffenheims Spieler überlegten, wie das war mit dem Mauerbau, hatte Hannovers Jan Schlaudraff die Kugel schon abgefeuert. Die Grenze am Strafraum war noch nicht befestigt, aber warum auch im Jahr 21 der deutschen Einheit? Nur Schiedsrichter Thorsten Kinhöfer hat das noch nicht begriffen, weshalb er Schlaudraff fragte: „Brauchst du eine Mauer?“ Gut, dass die Hoffenheimer das nicht mitbekamen. Und gut, dass sich Schlaudraff zum 50. Jahrestag der Schutzwallerrichtung als geschichtsbewusst genug erwies, um zu antworten: Nein! Und dann fiel er auch schon – der Schuss. Hinterher haben sich dann alle aufgeregt: Die Hoffenheimer fühlten sich „verarscht“, weil Kinhöfer nicht neu angepfiffen hatte (was er nicht unbedingt muss, was aber fast jeder Referee tut), und ihr Trainer Holger Stanislawski beschwerte sich über das „Pläuschchen“ zum Freistoß (vielleicht, weil er da nicht mitreden durfte), und ach ja, der frühere Referee Markus Merk bescheinigte seinem Kollegen Kinhöfer „Managementfehler“ – doch eine Mauer gehört nicht gemanagt, eine Mauer gehört nicht mehr in die Zeit. Die Fans des 1. FC Union aus Berlin wussten es schon immer: „Die Mauer muss weg“, riefen die Regimekritiker unter ihnen bei jedem Freistoß. Nun wird sie endlich abgetragen – dank Jan Schlaudraff, dem Mauerspecht der Bundesliga. Niemand hat die Absicht, einen Freistoß zu schießen. Robert Ide

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