Das Wort zum Spieltag : SCHNECKENRENNEN

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Oh wie schön ist Ingolstadt! Oder Braunschweig! Und Cottbus erst! Traditionsreiche Standorte einer Spielklasse mit deutlich unterschätztem Sehnsuchtspotenzial, oben wie unten. Warum sonst hätten sich die kickenden Belegschaften aus Düsseldorf und Paderborn und von der Reeperbahn in der Rückrunde so wehmütig wie vehement dagegen gestemmt, die Zweite Liga zu verlassen? Am Ende hat es die Düsseldorfer erwischt, als Neunten der Rückrundentabelle. Vier Siege in 17 Spielen waren vorerst nicht wenig genug für ein weiteres Jahr in der Welt der Montagabendspiele. Die Konkurrenz vom FC St. Pauli (Rückrundensiebter) und SC Paderborn (Rückrundenvierter) war halt nicht langsam genug im Schneckenrennen. Paderborn und St. Pauli vereint nach dem späten Triumph am finalen Spieltag die Vorfreude auf Spiele gegen Kaiserslautern (zu schnell unterwegs und daher außerhalb der Konkurrenz) und den 1. FC Köln. Auch in Berlin, bei Hertha BSC, haben sie gebettelt und gehofft und gebangt, aber es hat nicht gereicht, trotz nur vier Heimsiegen und einer erbärmlichen Elf-Punkte-

Rückrunde. Am Ende war im höherklassigen Schneckenrennen dieser eine letzte Sieg gegen die Hoffenheimer Betriebsausflügler zu viel für ein sicheres Engagement in der Schauinsland-Reisen-Arena, im Audi-Sportpark oder im Glücksgas-Stadion.

Ach, Schneckenrennen...

Was für ein schöner, was für ein wohlklingender Begriff. Allerdings kein ganz korrekter. Weil Schnecken nicht rennen, ja nicht einmal kriechen, sondern auf einem Schleimteppich dahingleiten. Und weil der Terminus Rennen einen Wettbewerb suggeriert, bei dem der Bessere gewinnt, nicht der weniger schlechte. Folgerichtig erfährt die Saison nach der Saison noch einen unerwarteten Höhepunkt. Mit einem ligenübergreifenden Schneckenrennen, und das gleich zweimal.Sven Goldmann

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