Sport : Das Wunder aus Oberbayern

Torhüter Robert Müller ist Krefelds Hoffnung im Halbfinale gegen die Eisbären

Claus Vetter

Berlin. Wenn Robert Müller ins Plaudern kommt, klingt das unglaublich abgeklärt. „Wenn ich nicht Nationalspieler hätte werden wollen, dann bräuchte ich kein Eishockey zu spielen“, sagt der Torhüter der Krefeld Pinguine aus der Deutschen Eishockey-Liga (DEL). Und vergangenen Sommer hat Müller „mit den besten Spielern der Welt“ in einem Trainingscamp der Washington Capitals aus der nordamerikanischen Profiliga NHL festgestellt, „dass die dort auch nur mit Wasser kochen“. Wen überrascht es da, dass sich Müller vor der am Freitag beginnenden Play-off-Halbfinalserie gegen den Titelfavoriten EHC Eisbären nicht fürchtet. „Gut, dass wir auf die Eisbären treffen, die liegen uns. Natürlich sind wir Außenseiter, aber wenn wir am Freitag das erste Spiel in Berlin gewinnen, dann ist alles möglich.“

Es sind Sätze eines Routiniers. Dabei ist Robert Müller gerade mal 22 Jahre alt, sieht mit seinen kurzen Locken auch keinen Tag älter aus. Bei den vier Teams im DEL-Halbfinale ist Müller mit Abstand der jüngste Torhüter. Und noch etwas unterscheidet den gebürtigen Rosenheimer von seinen Kollegen aus Berlin, Köln und Mannheim: Er ist der einzige deutsche Stammtorwart. Das allein ist ein mittelschweres Wunder. In der DEL ist es nun mal so, dass Trainer auf erfahrene Keeper aus dem Ausland setzen. Das schien auch in Krefeld vor der Saison nicht anders zu sein. Doch es kam anders. In der Hauptrunde absolvierte Müller 47 von 52 Spielen, das Viertelfinale gegen die Düsseldorfer EG sah der 36-jährige Schwede Roger Nordström nur noch von der Auswechselbank aus. Der Einzug ins Halbfinale gelang den Pinguinen nicht zuletzt dank Müllers guten Reflexen. Nach dem Berliner Richard Shulmistra hat er bisher die besten statistischen Werte der Torhüter in den Play-offs.

Müller hat eine simple Erklärung für seinen Karrieresprung: „Einmal ist es mein Ehrgeiz, und wenn dir der Trainer Rückendeckung gibt, dann kommt das Selbstvertrauen dazu.“ In Krefeld hat er Chris Valentine und dessen Nachfolger Butch Goring überzeugt. „Trotzdem kann es schnell wieder nach unten gehen. Das habe ich in Mannheim erfahren müssen.“ Bei seinem Stammverein Rosenheim hatte er viel gespielt, bei den Adlern setzte Trainer Bill Stewart auf den umstrittenen Italo-Kanadier Mike Rosati. Selbst bei den Washington Capitals, die sich 2001 die Rechte an Müller sicherten, haben sie das nicht verstanden. Müller solle doch lieber nach Nordamerika kommen, dort gäbe es in den Ligen unterhalb der NHL ein Dutzend Teams, in denen er einen Stammplatz bekommen könne. Natürlich winke dann die NHL, hieß es von den Capitals. Müller hat die Lockrufe überhört, es lieber in Krefeld versucht. Mit Erfolg: Fünfmal blieb er diese Saison schon ohne Gegentor.

Bei der Weltmeisterschaft in Finnland wird der gebürtige Oberbayer wohl erster Torhüter der Nationalmannschaft sein, auch wenn er nach schon 42 Länderspielen davon nichts hören will. „Den Marc Seliger kann man doch nicht abschreiben.“ Nun gut, Seliger wird auf Grund seiner Erfahrung seine Einsätze bekommen. Was den dritten Nationaltorwart betrifft, sieht es weniger gut aus: Mit Beginn der Play-offs musste Oliver Jonas bei den Eisbären dem Kanadier Shulmistra weichen. Berlins Trainer Pierre Pagé begründet die Bevorzugung seines Landsmannes mit dessen „größerer Erfahrung“ gegenüber Jonas. Müller schmunzelt bei dem Wort „Erfahrung“: „Der Oliver ist zwei Jahre älter als ich.“ Stimmt. Hat der Keeper aus Krefeld trotzdem einen Ratschlag für seinen Kollegen aus Berlin, wie man vom Zuschauer zum Stammtorhüter wird? „Ich kann dem Oliver doch keinen Tipp geben“, sagt Müller. „Oder vielleicht doch: Pack zu, wenn die Chance kommt.“ Robert Müller hat es getan, und das unterscheidet ihn von allen anderen deutschen Torhütern in der DEL.

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