Sport : Das Wunder lässt auf sich warten

Der HSV verliert mit einem starken Rafael van der Vaart 2:3 in Frankfurt.

Treibende Kraft. Rafael van der Vaart hatte einen guten Einstand, aber für einen Punkt reichte es noch nicht. Foto: AFP
Treibende Kraft. Rafael van der Vaart hatte einen guten Einstand, aber für einen Punkt reichte es noch nicht. Foto: AFPFoto: AFP

Frankfurt am Main - Drei Minuten vor dem Ende gab es eine Situation wie gemalt für Rafael van der Vaart. Der Ball lag einen Meter vor dem Frankfurter Strafraum zum Freistoß bereit, ziemlich weit rechts, also eigentlich perfekt für einen Linksfuß. Was wäre das für eine Geschichte gewesen: Van der Vaart trifft bei seinem Comeback in der Fußball-Bundesliga kurz vor Schluss zum 3:3 für den Hamburger SV! Doch der Neuzugang schaffte es nicht einmal, den Ball über die Mauer zu bringen. Die letzte Chance war vertan. 2:3 (1:2) hieß es am Ende gegen den HSV. Und während Eintracht Frankfurt als einzige Mannschaft neben den Bayern alle drei Saisonspiele gewonnen hat, liegen die Hamburger mit null Punkten auf dem vorletzten Tabellenplatz. Ihr Saisonstart ist noch schlechter als vor einem Jahr. Und fürs kommende Wochenende hat sich der Deutsche Meister Borussia Dortmund in Hamburg angesagt.

Die Hoffnungen, dass der 13 Millionen Euro teure van der Vaart für schnelle Besserung beim HSV sorgen würde, erfüllten sich noch nicht. Alles in allem war es ein starker Einstand des Neuzugangs, doch es reichte nicht. „Es ist noch ein langer Weg“, sagte der 29 Jahre alte Holländer, der schon vor seinem Debüt davor gewarnt hatte, ihn für den Erlöser zu halten. Van der Vaart war von allen Spielern auf dem Feld am meisten gelaufen, er kam in seiner Mannschaft auf die meisten Torschüsse, hatte die meisten Ballkontakte und die meisten Pässe gespielt – außerdem war er zumindest mittelbar an beiden Toren seines Teams beteiligt.

Doch was helfen van der Vaarts Qualitäten in der Offensive, wenn die Hamburger sich in der Defensive alles wieder kaputt machen? Schon nach etwas mehr als einer Viertelstunde lagen sie 0:2 zurück. Vor dem 1:0 der Frankfurter durch Takashi Inui hatte der HSV den Ball verloren, weil Jeffrey Bruma seinen eigenen Mitspieler Heung-Min Son anköpfte. Das 2:0 entsprang einer eigentlich ungefährlichen Ecke: Doch der Ball flipperte im Anschluss so lange durch den Hamburger Strafraum, bis Olivier Occean ihn über die Linie stocherte.

Immerhin war der Mannschaft von Thorsten Fink das Bemühen nicht abzusprechen. Kurz vor der Pause gelang Kapitän Heiko Westermann der Anschlusstreffer. Artjoms Rudnevs hatte eine Ecke van der Vaarts vors Tor geköpft, der Innenverteidiger vollendete – es war nach 224 Minuten der erste Saisontreffer für den HSV. Doch es passt zum Zustand der Mannschaft, dass sie ihren psychologischen Vorteil noch vor der Pause wieder verspielte. Am Frankfurter Strafraum grätschte Petr Jiracek mit gestrecktem Bein und offener Sohle Bamba Anderson zu Boden: Schiedsrichter Wolfgang Stark zeigte dem tschechischen Nationalspieler die Rote Karte. Eine harte, aber vertretbare Entscheidung, auch wenn Fink so vehement reklamierte, dass er die zweite Hälfte von der Tribüne aus verfolgen musste.

Als die Eintracht kurz nach der Pause durch Stefan Aigner sogar auf 3:1 erhöhte, schien das Spiel gelaufen, doch der HSV steckte auch in Unterzahl nicht auf. Van der Vaart eroberte nach einem Fehler von Eintrachts Innenverteidiger Carlos Zambrano kurz vor dem Frankfurter Strafraum den Ball, bediente Son, und der traf zum 2:3. Der eingewechselte Dennis Diekmeier hatte kurz darauf, frei vor Kevin Trapp, sogar die große Chance zum Ausgleich, konnte Eintrachts Torhüter aber nicht überwinden. Tsp

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