Sport : Das Zittern alternder Männer

Frankreich erreicht trotz Führung nur ein 1:1 gegen Südkorea und muss bangen

Robert Ide[Leipzig]

Thierry Henry ist ein Spieler mit Fußballverstand. Deshalb hat es der französische Stürmer sicher ernst gemeint, als er den Gegner Südkorea vor dem Duell am Sonntag lobte. „Das ist Fußball, wie ich ihn mir vorstelle. Das Mittelfeld ist schnell, die Mannschaft spielt mit großer Lust“, sagte Henry. Und er sollte Recht behalten. Trotz eines Führungstors von ihm gelang den Franzosen gegen den Außenseiter nur ein 1:1 (1:0). Kurz vor Schluss traf Ji Sung Park glücklich für die Koreaner. Alle Teams in der Gruppe G haben noch Chancen auf das Achtelfinale. Den alternden Franzosen jedoch droht ein Debakel wie bei der Weltmeisterschaft vor vier Jahren, als sie schon in der Gruppe ausschieden.

Vor 43 000 Zuschauern in Leipzig durfte sich Henry wieder allein im Sturmzentrum beweisen, obwohl er beim 0:0 gegen die Schweiz einen lethargischen Eindruck hinterlassen hatte. Der nicht erst seit dem faden WM-Auftakt in der Kritik stehende französische Trainer Raymond Domenech verzichtete bis zur 90. Minute auf die Dienste von David Trezeguet. Der Einsatz des Stürmers von Juventus Turin war von Fans und Medien in der Heimat gefordert worden. Henry belohnte das Vertrauen schon nach neun Spielminuten. Einen Kurzpass von Sylvain Wiltord nutzte er zur Führung: Nach geschickter Ballannahme und kurzer Drehung im Strafraum schoss er den Ball am koreanischen Torwart Lee Woon Jae vorbei ins Netz. Es war die erste Chance des Spiels – und das erste WM-Tor der Franzosen nach 368 Spielminuten. Zuletzt hatte Emanuel Petit im WM-Finale 1998 zum 3:0 gegen Brasilien getroffen.

Bei den Koreanern begeisterten zunächst nur die 10 000 angereisten Fans. Die Fußballeuphorie in Südkorea hatte nach dem 2:1-Startsieg gegen Togo fast schon die Ausmaße der WM 2002 im eigenen Land erreicht. Auf dem Spielfeld setzte der niederländische Coach Dick Advocaat auf seine schnellen Stürmer Cho Jae Jin und Lee Chun Soo. Die liefen allerdings oft ins Leere. Kurz vor der Pause immerhin verpasste Cho einen Freistoß von Chun Soo Lee im Strafraum mit der Hacke, auch ohne Berührung streifte der Ball nur knapp am Tor vorbei. Als das Spiel schon verloren schien, flankte der eingewechselte Seol Ki Hyeon von rechts in den Strafraum, Cho verlängerte per Kopf, und Park Ji Sung Park spitzelte den Ball zum Ausgleich ins Tor. Es war die erste gute Chance für die Asiaten.

Die Franzosen, deren Startaufstellung ein Durchschnittsalter von 30 Jahren und sechs Monaten aufwies, hatten es versäumt, frühzeitig die Entscheidung herbeizuführen. Dabei hatten sie aber auch Pech. Eine Ecke des erneut mit Übersicht agierenden Zinedine Zidane köpfte Patrick Vieira aufs Tor. Schlussmann Woon Jae Lee wehrte den Ball in letzter Not ab – allerdings erst, als er bereits mit vollem Umfang die Linie überschritten hatte. Schiedsrichter Benito Archundia aus Mexiko erkannte den Treffer nicht an und hielt das Spiel spannend.

Nach der Pause bemühten sich die Südkoreaner, verstärkt durch die dritte Offensivkraft Ki Hyeon Seol, mehr Überraschungsmomente zu kreieren. Doch die Franzosen verteidigten lange den Vorsprung. In der Sturmspitze setzten sie allerdings zu wenige Akzente. Zudem sah Zidane bei seiner letzten Weltmeisterschaft die zweite Gelbe Karte und muss nun auf ein Weiterkommen seiner Mannschaft hoffen, will er noch einmal bei der WM auflaufen. Im abschließenden Gruppenspiel gegen Togo fehlt er gesperrt. In den letzten Minuten, in denen beide Teams aufopferungsvoll um den Sieg rangen, verpasste übrigens Henry den Sieg. Mit seiner letzten Chance scheiterte der Stürmer an Torwart Lee Woon Jae.

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