Sport : Das zweite Comeback Hilde Gerg schafft den ersten Sieg seit ihrem Kreuzbandriss

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(Tsp). So einen Kreuzbandriss vergisst man nie. Die Narbe am Knie mag irgendwann verheilen, nicht aber die Erinnerung an die Hilflosigkeit, die Angst davor, das Knie könnte für immer steif bleiben. Hilde Gerg macht da keine Ausnahme. Nachdem die Skifahrerin aus Lenggries gestern in Veysonnaz den WeltcupSuper-G gewonnen hatte, da weinte sie ein wenig, vor Freude natürlich, und dann dachte sie an diesen 7. Dezember 2002, als ihr auf der Piste von Lake Louise ohne Sturz das linke Kreuzbandriss riss.

13 Monate später hob Hilde Gerg im Auslauf der Piste von Veysonnaz zu einer kleinen Dankesrede an: „Ich möchte mich einfach bei allen bedanken, die mir zuletzt geholfen haben. Es war nicht immer leicht, aber es hat sich gelohnt. Ich freue mich riesig. Es war einfach an der Zeit, wieder mal ein Rennen zu gewinnen.“ Der Sieg von Veysonnaz war der 17. ihrer Karriere und der erste seit dem Unfall von Lake Louise. Am Tag zuvor hatte sie in der Abfahrt Platz zwei belegt.

Für Hilde Gerg war es so etwas wie das zweite Comeback. Das erste hatte sie am 5. Dezember 2003 in Lake Louise gegeben, ein Jahr nach dem Kreuzbandriss. Das war zum Auftakt des Weltcups, und Hilde Gerg fuhr auf einen sensationellen zweiten Platz. Es war ein Saisonstart mit Symbolcharakter: Hilde Gerg fährt in diesem Winter so eindrucksvoll, wie es kaum jemand von ihr erwartet hätte. Sechsmal ging sie an den Start, wurde dreimal Zweite, einmal Dritte und zweimal Fünfte, war also immer im Bereich der absoluten Weltklasse.

Das Gute war ihr allerdings bis zum Sonntag nicht gut genug – für eine Perfektionistin wie Hilde Gerg zählen nur die ersten Plätze: „Die Resultate können sich sehen lassen. Aber wenn man gut in Form ist, und ich bin gut in Form, dann will man auch gewinnen.“ Gesagt, getan: In Veysonnaz stand Hilde Gerg diesmal wieder ganz oben auf dem Podest.

Wolfgang Maier, sonst ein eher nüchterner Mensch, überschlug sich im Zielraum vor Begeisterung. „Das ware eine ausgezeichnete Leistung“, sagte der Cheftrainer der deutschen Skifahrerinnen. „Die Hilde ist absolut professionell, und sie besitzt ein Talent wie nur wenige auf diesem Planeten.“

Das Wochenende von Veysonnaz steht für die Ambitionen, die sie in dieser Saison hat: Eine der Kristallkugeln, die es am Saisonende für die Weltcupsiegerin gibt, soll schon herausspringen. In der Abfahrtswertung liegt Hilde Gerg nach vier von acht Rennen mit 285 Punkten auf Platz eins, fünf Punkte vor der Österreicherin Renate Götschl, die am Samstag die Abfahrt von Veysonnaz gewonnen hatte. Im Super-G liegt sie nach drei von acht Rennen mit 205 Punkten auf Platz zwei, 15 Punkte hinter der Österreicherin Michaela Dorfmeister.

„Ich muss versuchen, weiter so zu fahren wie diesmal. Nicht zu viel wollen, Ruhe bewahren und trotzdem auf Angriff fahren“, sagte die zweimalige Super-G-Weltcupsiegerin (1997, 2002). Einzig im Gesamtweltcup wird es wohl nicht zum Spitzenplatz mehr reichen, hier ist die Schwedin Anja Pärson (752 Punkte) weit enteilt. Gerg liegt mit 490 Punkten auf Platz vier.

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