Sport : Das zweite Gesicht

Die Eisbären holen einen 0:2-Rückstand auf und besiegen Mannheim im ersten Finalspiel 5:3

Claus Vetter

Berlin - Der Abend begann mit Lärm. Bernd Römer von der Rockgruppe Karat durfte vor dem Auftakt der Endspielserie um die deutsche Eishockeymeisterschaft auf seiner elektronischen Gitarre die Nationalhymne schrammeln. Das hörte sich ein wenig nach Jimi Hendrix und dessen Interpretation der US-Hymne an, war aber natürlich nicht mehr als eine amüsante Einlage. Das Hauptprogramm im Sportforum Hohenschönhausen hatte mehr zu bieten: Den Eisbären gelang ein eindrucksvolles Comeback, trotz eines 0:2-Rückstandes gegen die Adler Mannheim gewannen die Berliner das erste Spiel der Serie „Best of five“. Nach dem 5:3 (1:2, 2:0, 2:1)-Erfolg sind die Eisbären nur noch zwei Siege von ihrem ersten Titel entfernt. Gelegenheit, der Meisterschaft noch näher zu kommen, haben die Berliner bereits am Sonntag beim Auswärtsspiel in Mannheim.

Die Fans der Adler feierten bereits vor dem Spiel – und zwar den „Derbysieger“, wie auf einem großen Plakat zu lesen war. Eine Anspielung darauf, dass die Mannheimer im Halbfinale die Frankfurt Lions bezwungen hatten. Gestern sah es zu Anfang so aus, als sollten die Mannheimer ohne große Mühe bald noch mehr als nur Derbysieger sein. In den ersten Spielminuten waren die übernervös agierenden Eisbären selten im Bilde. René Corbet traf in der sechsten Minute nur die Latte des Berliner Tores, eine Minute später machte es Christoph Ullmann besser. Die Berliner Abwehr stand Spalier, als der deutsche Nationalspieler Torhüter Oliver Jonas bezwang. Nur 39 Sekunden später jubelten die Adler schon wieder, diesmal über das 2:0 durch Corbet.

Doch die Eisbären zeigten dann, wie so oft in den diesjährigen Play-offs, ihr anderes Gesicht: Sie kämpften sich in das Spiel, hatten ein wenig Glück und auch die unfreiwillige Hilfe von Cristobal Huet. Als der Mannheimer Torhüter die Orientierung verloren hatte und den neben ihm liegenden Puck zu spät sah, gelang Mark Beaufait auf einfache Weise der Anschlusstreffer. Nachdem der US-Amerikaner den Puck ins Mannheimer Tor gestochert hatte, lief es besser bei den Eisbären. Allerdings wurde ihre Drangphase von der ersten Pausensirene unterbrochen.

Im Mittelabschnitt spielte Mannheim viel zu passiv, die Eisbären drängten weiter. In der 32. Minute gelang Denis Pederson der Ausgleich, Huet stand viel zu weit vor seinem Tor, als der Puck im Netz landete. Wie das 2:2 fiel auch das Berliner Führungstor bei Überzahl. 37 Minuten waren gespielt, als Pederson den Puck unter die Latte des Mannheimer Tores beförderte. „Wir haben gewonnen, weil wir die Strafzeiten konsequent ausgenutzt haben“, sagte Pederson. Mit einem Schussverhältnis von 27 zu 4 zugunsten der Berliner endete das zweite Drittel, dessen Ende Florian Busch nicht mehr auf dem Eis mitbekam, nachdem er von einem Mannheimer an der Schulter verletzt worden war.

Die Adler wirkten im Schlussdrittel dann noch ratloser und wurden noch ruppiger: Christoph Ullmann musste nach einem Stockstich in den Bauch von Beaufait mit einer Spieldauerstrafe in die Kabine. Als die Eisbären bereits zum zweiten Mal in 5:3-Überzahl agieren durften, traf Walker zum 4:2 für die Eisbären. Und nach dem dritten Mannheimer Tor durch Yannick Tremblay gelang dem Berliner Kapitän Walker auch noch sein zweites Tor zum 5:3 – das erste Finalspiel um die deutsche Meisterschaft war nach einer überzeugenden Vorstellung der Berliner entschieden.

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