Sport : Das zweite Gesicht

19 Stunden nach dem Frankreich-Sieg enttäuschen die deutschen Basketballer beim 73:77 gegen Belgien.

Sind so lange Arme. Die deutschen Nationalspieler Tibor Pleiß (l.) und Robin Benzing (r.) kommen gegen den routinierten Belgier Axel Hervelle zu spät. Foto: AFP
Sind so lange Arme. Die deutschen Nationalspieler Tibor Pleiß (l.) und Robin Benzing (r.) kommen gegen den routinierten Belgier...Foto: AFP

Ljubljana - Sekunden vor dem Ende der Verlängerung hielt Tibor Pleiß den erneuten Ausgleich in seine großen Händen. Absichtlich hatte Heiko Schaffartzik seinen zweiten Freiwurf daneben geworfen, der 2,18 Meter große deutsche Centerspieler hatte den abprallenden Ball tatsächlich erst in Richtung Korb tippen können und dann sogar gefangen. Mit einem kräftigen Dunking wäre der Rückstand (71:73) egalisiert gewesen, doch Tibor Pleiß wirft aus nächster Nähe – neben den Korb. Beschämt hielt sich der Basketballprofi seine Hände vors Gesicht.

Es war die Entscheidung, die deutsche Nationalmannschaft verlor das zweite EM-Spiel gegen Belgien 73:77 (63:63, 26:35) nach Verlängerung. Überraschend, aber vollkommen verdient. „Am Ende hatten wir noch unsere Chancen, aber so kann man vorher nicht agieren“, sagte Robin Benzing, der mit 24 Punkten bester Werfer seines Teams war. Bei den Belgiern trafen Jonathan Tabu und Sacha Massot mit jeweils 15 Zählern am besten.

Die letzte Spielszene passte zu der Aneinanderreihung von Unzulänglichkeiten der deutschen Mannschaft. Sie spielte schwach und verunsichert, nichts erinnerte an das Team, das am Vortag den Turnierfavoriten Frankreich (80:74) besiegt hatte. Den Leistungsabfall innerhalb von 19 Stunden wollte der Bundestrainer Frank Menz nicht mit der Unerfahrenheit seiner Mannschaft erklären, sondern mit dem Spielplan: „Es ist recht schwer, sich innerhalb von wenigen Stunden auf das gleiche Niveau zu bringen.“ Angesichts der Ausgeglichenheit der EM-Gruppe ist für sein Team vom Aus bis zum Gruppensieg noch alles möglich.

Gegen Belgien sank die Dreier-Wurfquote von 60 Prozent (gegen Frankreich) auf 31,8 Prozent. In der ersten Halbzeit blieb das deutsche Team gegen eine Zonenverteidigung siebeneinhalb Minuten ohne Punkt, die Folge war eine 0:18-Serie und ein klarer Rückstand zur Pause.

In der zweiten Halbzeit kam die deutsche Mannschaft über die Verteidigung besser ins Spiel, das von den international nur zweitklassigen Belgiern, die erstmals seit 1982 wieder gegen Deutschland gewannen, alles andere als niveauvoll geführt wurde. Immerhin bot die schwache Partie Spannung, vor allem als Luka Staiger mit einem erfolgreichen Dreier 17 Sekunden vor dem Ende der regulären Spielzeit zum 63:63 ausgleichen konnte und das Spiel in die Verlängerung schickte. Die Hoffnung auf Besserung aber währte nur kurz, zu Beginn der Verlängerung konnten sich die Belgier wieder mit fünf Punkten absetzen. „Wenn man immer einem Rückstand hinterherläuft, ist es schwer zu gewinnen“, sagte Robin Benzing.

Besonders Per Günther und Philipp Zwiener konnten in der Schlussphase nicht überzeugen, Zwiener leistete sich in der Verlängerung einen folgenschweren Fehlpass. Doch eigentlich kam kein deutscher Spieler auf das Niveau vom Vortag, auch nicht Kapitän Heiko Schaffartzik, der mit 15 Punkten und 7 Assists zweitbester Werfer im deutschen Team war.

„Wir haben den Sieg gegen Frankreich nicht entwertet, wir haben ihn trotzdem noch“, sagte der Bundestrainer, „ich glaube, der gibt allen weiterhin Selbstvertrauen, wir wissen, dass wir auf einem sehr hohen Niveau spielen können.“ Wie die Realität für das deutsche Team bei dieser EM aussieht, muss sich nun am Freitag im Spiel gegen die noch ungeschlagene Ukraine (14.30 Uhr, Livestream bei spox.com) erweisen. Interessant ist, welches seiner zwei Gesichter das deutsche Team dann zeigen wird.Tsp

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