• DAS SPIEL MEINES LEBENS: ALAIN GIRESSE: 08.07.1982: Deutschland – Frankreich 8:7 n.E. Alain Giresse, 49, Trainer

DAS SPIEL MEINES LEBENS: ALAIN GIRESSE : 08.07.1982: Deutschland – Frankreich 8:7 n.E. Alain Giresse, 49, Trainer

Foto: AFP

Aufgezeichnet von Mathieu Gregoire.

Auch wenn uns vorher bewusst war, dass wir dieses Spiel verlieren könnten – so etwas hatten wir nicht verdient. Ich habe es nie geschafft, über diese Niederlage hinweg zu kommen. Man kann nicht etwas auf diese Art und Weise verlieren und dann seinen Frieden damit machen. Es ist so, als würde man einen Angehörigen verlieren und sagen: „Ich habe es vergessen.“ Das ist unmöglich. Selbst der EM-Titel von 1984 hat den Schmerz nicht lindern können, die Spuren von Sevilla werden für immer bleiben. Würde ich mir den Schluss dieses Spiels noch einmal ansehen, ich würde sofort wieder in dieses Leid von damals zurückfallen. Ich kann es also nur bis zu unserem 3:1 nacherzählen. Okay? Wir waren in diesem Halbfinale keineswegs der Favorit. Verglichen mit den Deutschen waren wir winzig. Und so begann auch dieses Spiel. Das frühe Gegentor war für uns wie ein Weckruf. Der Ausgleich kurze Zeit später bestärkte uns, beruhigte uns. Doch dann dieses Foul an Patrick Battiston. Eine grausame Situation: Er wird auf einer Trage hinausgebracht und wir müssen weitermachen. Wir waren sehr glücklich, dass wir die Verlängerung erreichten. Was dann kam, war wie ein Traum. Marius Trésor trifft mit diesem Volleyschuss – und dann mache ich das dritte Tor. Mein Herz raste. Ich dachte: „Wir kommen ins WM-Finale, wir kommen ins WM-Finale, wir fahren da wirklich hin.“ Das ist ein ganz schöner Lärm, der da im Kopf entsteht, das scheppert richtig und übertönt alles andere. Eine solche Intensität habe ich nur dieses eine Mal erlebt. Ein Moment der Ekstase. Doch dann gelingt Rummenigge der Anschlusstreffer. Und alles kippte... Wir waren nicht in der Lage, die Schlussphase richtig einzuschätzen. Also spielten wir weiter nach vorne, nicht unbedingt, um noch ein Tor zu schießen, sondern weil wir nicht anders konnten. Dann traf auch noch dieser Fischer. Nach dem verlorenen Elfmeterschießen war die Enttäuschung riesig. Es gab nichts, was uns trösten konnte.

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