• DAS SPIEL MEINES LEBENS: CHRISTIAN ULMEN: 30. 08. 2009, Hertha BSC – Werder Bremen 2:3 Christian Ulmen, 35, Schauspieler

DAS SPIEL MEINES LEBENS: CHRISTIAN ULMEN : 30. 08. 2009, Hertha BSC – Werder Bremen 2:3 Christian Ulmen, 35, Schauspieler

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Mein damals viereinhalb Jahre alter Sohn bekam die Möglichkeit, als „Auflaufkind“ an der Hand von Herthas Torwart Jaroslav Drobny ins Olympiastadion zu marschieren. Wahnsinn! Ich war begeistert! Und ich nehme es gleich vorweg: Es war das Spiel meines Lebens! Mein Sohn dagegen war von diesem unfassbaren Angebot so angetan wie von einem Paar Stoppersocken zum Geburtstag. Könne er machen, klar, mal sehen, vielleicht hätte er aber auch keine Lust, wüsste er jetzt noch nicht. Da hatte ich der Hertha aber bereits mit den Worten „irre, da wird mein Sohn sich tierisch freuen“ zugesagt. Am Vorabend spielte ich das Auflaufen mit ihm durch. Ich war Drobny, mein Sohn er selbst. Hand in Hand schritten wir über den Flur ins Wohnzimmer und winkten den Fans auf den Rängen zu. „Ist das nicht unglaublich?“ So richtig hingerissen war er immer noch nicht. Am Spieltag warteten die Auflaufkinder aufgereiht in den Katakomben. Dann kamen die Mannschaften. Arne Friedrich strich dem vordersten Jungen über den Kopf, dahinter mein Sohn, neben dem sich nun Jaroslav Drobny wie ein Diplodocus-Saurier auftat. Das kleine Händchen meines eigenen Fleisches und Bluts lag in den riesigen Handschuhen des Torwarts, mit denen er auch schon einmal einen Unhaltbaren parierte. Und los ging’s. Auf dem Weg zum Mittelkreis beugte sich Drobny im Gehen plötzlich zu meinem Sohn herunter und flüsterte ihm etwas ins Ohr. Ganz klar: Sie bonden! Welch ein Tag! Ich war gerührt. Und stolz. Wie eine Mutter, die ihr Kind zu einem Casting für irgendeine Erdbeermarmeladenwerbung schickt. Ich wollte hinterher natürlich sofort wissen, was Drobny ihm da ins Ohr gesagt hatte. Doch das sei sein Geheimnis, bekam ich jedes Mal harsch zu hören. Wahnsinn, da haben Jaro und mein Sohn ein Geheimnis. Vor dem Einschlafen mein letzter Versuch: „Willst du es mir nicht doch verraten?“ – „Na schön. Er sagte: Schneller bitte.“

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