• DAS SPIEL MEINES LEBENS: DIETER MÜLLER: 17.08.1977, 1. FC Köln – Werder Bremen 7:2 Dieter Müller, 58, Fußballer

DAS SPIEL MEINES LEBENS: DIETER MÜLLER : 17.08.1977, 1. FC Köln – Werder Bremen 7:2 Dieter Müller, 58, Fußballer

Foto: picture alliance / dpa

Die ersten beiden Saisonspiele hatte ich für den 1. FC Köln nicht getroffen. Als Torschützenkönig der vorigen Spielzeit war ich davon natürlich angefressen. Und dann bekam ich irgendwie mit, dass mein Gegenspieler Klaus-Dieter Höttges, Spitzname Eisenfuß, vor unserer Begegnung mit Werder Bremen gewettet hatte, ich würde auch gegen seine Mannschaft leer ausgehen. Das hat mich natürlich nur noch wütender gemacht. Heute würde ich natürlich gerne behaupten, ich habe die sechs Dinger gegen Bremen nur gemacht, weil Gerd Müller nach den ersten beiden Saisonspielen bereits sechs Treffer auf dem Konto hatte. Aber so war es nicht. Ich war einfach besessen davon, Tore zu schießen. Und wäre die Möglichkeit da gewesen, zehn Tore zu schießen, dann hätte ich dem Dieter Burdenski die vier auch noch eingeschenkt. So bin ich halt. Tony Woodcock hat später einmal erzählt, bei einem unserer Spiele hätte ich unseren damaligen Mitspieler Pierre Littbarski kurz vor der Torlinie weggeschubst. Nur, um das Ding selbst reinzuhauen. Verstehen Sie? Das war ich – ein Besessener! Doch natürlich habe ich nur deshalb so häufig einnetzen können, weil ich so fantastische Mitspieler hatte – in Köln allen voran den einzigartigen Heinz Flohe. Gegen Werder Bremen regnete es damals leicht, der Rasen war nass, und die Bremer kamen mit diesen Bedingungen gar nicht zurecht. Wir dagegen spielten uns in einen wahren Rausch. Flohe war einfach überall, und ich wartete vorne auf seine Zuspiele und haute dem Burdenski die Dinger nacheinander in die Kiste, vier mit dem Kopf, zwei mit dem Fuß. Und das Gesicht von Klaus-Dieter Höttges wurde mit jedem Gegentor länger. Diese Wette hätte er wohl besser ohne mich gemacht. Ich wurde am Ende erneut Torschützenkönig mit 24 Treffern, der 1. FC Köln gewann die Meisterschaft und den Pokal. Und sechs Tore in einem Spiel, das gelang in der Bundesliga bis heute keinem anderen Spieler. Vor allem nicht gegen Eisenfuß Höttges.

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