• DAS SPIEL MEINES LEBENS: HANSI MÜLLER: 10.12.1986 FC Swarovski Tirol - Spartak Moskau 2:0 Hansi Müller, 54, Fußballer

DAS SPIEL MEINES LEBENS: HANSI MÜLLER : 10.12.1986 FC Swarovski Tirol - Spartak Moskau 2:0 Hansi Müller, 54, Fußballer

Foto: picture alliance / dpa

Aufgezeichnet von Andreas Bock.

Ganz ehrlich: Wenn mir kurz vor meinem Wechsel nach Tirol jemand gesagt hätte, dass ich fünf Jahre in der Alpenliga spielen würde und dort auch meine Karriere beende, hätte ich ihn vermutlich ausgelacht. Und die Leute in Tirol dachten damals vermutlich: „Der kommt hierhin, nimmt ein paar Alpendollar mit und das war’s dann.“ Aber letztlich war es eine wunderbare Zeit. Schon nach einigen Spielen verselbstständigte sich alles, wir spielten guten Fußball, der Zuschauerschnitt verdreifachte sich und wir qualifizierten uns sogar für den Europapokal. In meiner zweiten Saison erwarteten wir dann kurz vor Weihnachten Spartak Moskau zum Rückspiel im Achtelfinale. Es war bitterkalt, der Boden war gefroren, und wir liefen mit der Mannschaft auf, die seit Monaten in der gleichen Formation spielte. Als wir das Stadion betraten, hatte jeder Zuschauer eine Wunderkerze in der Hand – sogar Franz Beckenbauer und Ernst Happel, die nebeneinander auf der Tribüne saßen. In diesem Moment wurde mir erstmals klar, dass große und prägende Spiele nicht unbedingt ein WM-Finale oder ein Spiel im Maracana sein müssen. Wenn die emotionale Bindung da ist, dann ist die Zuschauerzahl wirklich egal. Vielleicht erlebt man das im kleineren Rahmen sogar noch intensiver – ich hätte in dieser Sekunde jeden Menschen umarmen können. Wie in den Spielen zuvor und danach waren wir krasser Außenseiter. Aber wir hatten einen Lauf, wir wollten trotz der 0:1-Niederlage aus dem Hinspiel ins Viertelfinale einziehen. Und die Spartak-Spieler nahmen uns wohl nicht für voll. Sensationell gewannen wir das Spiel mit 2:0, es machte uns in Europa bekannt. Der Erfolg animierte den Klub, weiter zu investieren. Er holte die international erfahrenen Spieler Pezzey und Lindenberger, Ernst Happel wurde Trainer. Wir wurden daraufhin zweimal Meister und holten einmal gar das Double. Es sollten die erfolgreichsten Jahre des Vereins werden. Und ich war dabei.

0 Kommentare

Neuester Kommentar