• DAS SPIEL MEINES LEBENS: HEINER BRAND: 23. 06. 1973, Bor. Mönchengladbach – 1. FC Köln 2:1 n.V. Heiner Brand, 60, ehemaliger Handball-Bundestrainer

DAS SPIEL MEINES LEBENS: HEINER BRAND : 23. 06. 1973, Bor. Mönchengladbach – 1. FC Köln 2:1 n.V. Heiner Brand, 60, ehemaliger Handball-Bundestrainer

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Aufgezeichnet von Benjamin Apitius

Ich bin in Gummersbach groß geworden. Und dort blieb mir nichts anderes übrig, als Handball zu spielen. Trotzdem war ich auch immer schon ein sehr passabler Fußballspieler. Und in meinen Jugendzeiten ging ich daher auch mehr oder weniger regelmäßig zu Fußballspielen ins Stadion. Größtenteils natürlich zu Spielen meines Lieblingsvereins 1. FC Köln. Und mit einem Auge schaute ich auch immer auf die Leistung von Günter Netzer, den ich trotz seiner Vereinszugehörigkeit heimlich bewunderte. Für seine schillernde Persönlichkeit, für sein feines Füßchen. Und so sollte das DFB-Pokal-Finale 1973 zu einem Fußballfesttag für mich werden. Meine Mannschaft gegen Netzer! Ich ging mit ein paar Handballkumpels ins Düsseldorfer Rheinstadion, knapp 70 000 Menschen wollten das letzte Spiel von Netzer im Trikot der Borussia sehen, bevor er zu Real Madrid wechselte. Doch sein Trainer Hennes Weisweiler setzte ihn auf die Bank, seine Aufstellung schien bereits den Planungen für eine Zeit ohne seinen Spielmacher geschuldet. Weisweiler bot in der Zentrale stattdessen Herbert Wimmer auf. Und Wimmer erzielte Mitte der ersten Halbzeit auch gleich das 1:0. So hatte ich mir das natürlich nicht gewünscht: Die Kölner verloren, und Netzer spielte erst gar nicht?! Meine Stimmung hellte sich jedoch schlagartig mit dem Ausgleich von Herbert Neumann auf. Plötzlich waren wir wieder dran, wir waren besser. Und die Gladbacher Fans schrien sich nun die Kehle aus dem Leib, sie forderten die Einwechslung von Netzer. Nichts passierte. Verlängerung. Und dann machte sich Netzer doch noch bereit. Er zog seine Jacke aus und trabte auf den Platz. Mich überkam plötzlich ein ungutes Gefühl: Meine Mannschaft gegen Netzer! Und dann war es auch schon passiert: Mit einem seiner ersten Ballkontakte erzielte der Gladbacher den Siegtreffer. Und meine Bewunderung kehrte sich für einen kurzen Moment um.

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