• DAS SPIEL MEINES LEBENS: HERBERT FANDEL: 23.05.2007 AC Mailand – FC Liverpool 2:1 Herbert Fandel, 47, Schiedsrichter

DAS SPIEL MEINES LEBENS: HERBERT FANDEL : 23.05.2007 AC Mailand – FC Liverpool 2:1 Herbert Fandel, 47, Schiedsrichter

Foto: dpa

Aufgezeichnet von Thorsten Schaar.

Das Champions-League-Finale in Athen war das vierte große Endspiel für mich als Schiedsrichter – und ganz eindeutig das dickste. Vorher hatte ich zweimal das deutsche Pokalfinale gepfiffen und das Uefa-Cup-Endspiel FC Sevilla gegen den FC Middlesbrough. Der Druck, der vor einem solchen Ereignis auf einem lastet, ist schon gewaltig. Um mich trotzdem optimal vorzubereiten, hatte ich mich ganz früh mit allen Details beschäftigt. Die Vorbereitung hatte eigentlich mit dem Schlusspfiff des vorigen Bundesliga-Spiels begonnen. In den letzten Tagen vor Athen hatte ich beruflich ein bisschen runtergefahren. Man muss sich einfach mal abschotten und alle unwichtigen Sachen ignorieren. Es drehte sich alles nur noch um dieses eine Spiel. Zusätzliche Informationen über die Mannschaften brauchte ich mir nicht zu besorgen. Ich kannte die Mailänder in- und auswendig, auch die Liverpooler hatte ich schon oft gepfiffen. Und das ist ein großer Vorteil, wenn man sich sehr gut kennt. Mit dem Mailänder Gennaro Gattuso bin ich nahezu befreundet. Ich habe ihn schon gepfiffen, als er vor fünfzehn Jahren in der Jugendauswahl gespielt hat. Wir haben also immer mal wieder die Klingen gekreuzt. Er ist übrigens ein sehr intelligenter Mann, was man aufgrund seiner Spielweise nicht vermuten würde. Die ersten 30 Minuten zwischen Mailand und Liverpool waren dann aber nicht nur wegen Gattuso ziemlich nickelig. Als es sich in der zweiten Halbzeit zu einem besseren Fußballspiel entwickelte, wurde es auch einfacher für mich und meine Assistenten. Nach dem Spiel beschwerte sich nur Liverpools Trainer Rafael Benitez, ich hätte zu früh abgepfiffen. Aber das war wohl nur der Frust, weil er das Spiel nicht gewonnen hatte. Dann wurde es aber doch noch ein sehr schöner Feierabend. Ich bin Sportler und Fußballer, aber wenn nach einem solchen Spiel die Erleichterung einsetzt, muss man auch feiern können. Und das haben wir dann auch ausgiebig getan.

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