• DAS SPIEL MEINES LEBENS: JAN EISSFELDT ALIAS JAN DELAY: 30.06.2006: Deutschland – Argentinien 5:3 n.E. Jan Eißfeldt, 35, Musiker

DAS SPIEL MEINES LEBENS: JAN EISSFELDT ALIAS JAN DELAY : 30.06.2006: Deutschland – Argentinien 5:3 n.E. Jan Eißfeldt, 35, Musiker

Foto: picture alliance / dpa

Der Fußball, den die deutsche Nationalmannschaft bei der WM 2006 spielte, war der schönste und offensivste, den ich bis dorthin gesehen hatte. Und überhaupt – die ganze Stimmung: Noch nie habe ich in Deutschland so eine Atmosphäre erlebt und in so viele fröhliche Gesichter geschaut. Überall Frieden, Euphorie und Liebe! Und dann kam der Tag des triumphalen Viertelfinales gegen Argentinien. Abends sollte ich mit meiner Band auf einem alternativen Musikfestival in Neustrelitz auftreten, und dann lasen wir auf der Hinfahrt dorthin, dass die Veranstalter das Gelände doch tatsächlich zu einer WM-freien Zone erklärt hatten, es war sogar ein Flaggenverbot erhoben worden. Solche Ansagen stoßen mir natürlich übel auf, weniger als Fußballfan, sondern vielmehr als passionierter Normen-, Regel- und Gesetzeshasser. Flaggenverbot, also bitte! Für mich ist das im Falle der Nationalmannschaft einfach nur ein Logo. Das Schwarz-Rot-Gold auf den Trikots hat für mich nichts mit einer Fahne vor dem Reichstag zu tun. Naja, wir mussten das Spiel gegen die Argentinier also woanders schauen, und so hielten wir auf dem Weg bei irgend so einer Gaststätte wie „Zum Deutschen Adler“ und quetschten uns vor den Fernseher. Diese braune Kulisse dort war dann bald vergessen – dieses Spiel, welch Dramatik! Allein Kloses Kopfball kurz vor dem Ende! Dann das Elfmeterschießen! Was für ein Drehbuch! Später fuhren wir auf dieser Euphoriewelle weiter zum Festival – und ich konnte mich nicht mehr halten. Vor unserem Auftritt zog ich mir ein Deutschland-Trikot an und ging damit auf die Bühne. Das kam natürlich gar nicht gut an, auch meine Fußball-Lieder wollte niemand mitgrölen. Der Auftritt endete dann in einem halben Desaster, die wenigsten dort konnten sich mit mir freuen oder zumindest über mich lachen. Stock im Arsch, kann ich dazu nur sagen. Aber mir war das in diesem Moment fast egal. Ich dachte nur: Geil, in vier Tagen ist Halbfinale.

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