• DAS SPIEL MEINES LEBENS: JOSEF HADER: 07. 07. 1974, Deutschland – Niederlande 2:1 Josef Hader, 51, Schauspieler

DAS SPIEL MEINES LEBENS: JOSEF HADER : 07. 07. 1974, Deutschland – Niederlande 2:1 Josef Hader, 51, Schauspieler

Foto: picture alliance / dpa

Aufgezeichnet von Benjamin Apitius.

Im „Vereinsheim“ in der Münchner Occamstraße hängen die Köpfe der deutschen Weltmeister von 1974 an der Wand. Als lebensgroße Fotos. Dass ich als Österreicher all ihre Namen weiß, überrascht die Deutschen aber nicht allzu sehr. Deutsche gehen ja grundsätzlich davon aus, dass ein Österreicher deutsche Politiker, deutsche Filmschauspieler und deutsche Sportler zu kennen hat – wir haben das ja alles zu Hause nicht. Obwohl es also kaum jemand seltsam findet, möchte ich trotzdem erklären, wie es dazu kam: Es war damals die erste WM, die ich als kleiner Bub vor dem Fernseher verfolgte. Und weil ich viele Spiele der Deutschen zu sehen bekommen hatte, war ich plötzlich irgendwie zum Fan geworden. Das war natürlich völlig undenkbar für einen Österreicher, aber das wusste ich nicht auf unserem Bauerhof im Waldviertel, wo ich der Einzige war, der sich überhaupt für Fußball interessierte.

Wie jedes Jahr musste ich auch im Sommer 1974 mithelfen, das Heu einzufahren. Und weil Regen drohte, wurde auch am Finalwochenende weitergearbeitet. Meine Aufgabe war es, die Fuhren, die mein Vater mit dem Traktor in der Scheune ablieferte, mit einer Gabel ins Gebläse zu befördern. Danach blieben mir dann meistens 15 Minuten, bis mein Vater mit der nächsten Ladung kam. Und diese 15 Minuten verbrachte ich dann vor dem Fernseher. Nie vergessen hab’ ich, wie Müller aus einer Drehung auf unglaublich selbstverständliche Weise ein Tor schoss, ohne dass irgend jemand etwas dagegen unternehmen konnte. Den Rest des Spiels habe ich vergessen. Aber als sie dann Weltmeister waren, hab ich mich unendlich gefreut, wahrscheinlich als einziger in unserem österreichischen Dorf. Na ja, außer ein paar alten Nazis vielleicht. Bei der nächsten WM würde ich Deutschland wieder die Daumen drücken. Falls Österreich nicht dabei ist. Und diese Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt.

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