• DAS SPIEL MEINES LEBENS: LOTHAR BUCHMANN: 19.05.1978 FK Pirmasens – SV Darmstadt 98 1:6 Lothar Buchmann, 75, Trainer

DAS SPIEL MEINES LEBENS: LOTHAR BUCHMANN : 19.05.1978 FK Pirmasens – SV Darmstadt 98 1:6 Lothar Buchmann, 75, Trainer

Foto: picture alliance / dpa

Einen solchen Bundesliga-Aufsteiger wie uns wird es wohl nie wieder geben. Wir gingen ja auch als die Feierabendfußballer in die Geschichte ein. Ich selbst war eigentlich Verwaltungsbeamter in Heppenheim und nicht bereit, hauptberuflich als Trainer zu arbeiten – so wie meine ganze Mannschaft. Da war vom Metzger bis zum Ingenieur alles dabei. Viele hatten sich auf dem zweiten Bildungsweg in gute Positionen hochgearbeitet. Die waren natürlich nicht bereit, ihre Existenz zu riskieren. Walter Bechtold kam einmal auf mich zu und sagte: „Trainer, ich bin 30 Jahre alt. Ich kann nicht auf Vollprofi umsatteln. Ich finde nie wieder einen Job, wenn wir absteigen.“ Doch nach dem 26. Spieltag standen wir dann ganz oben. Wir sahen plötzlich die Möglichkeit, selbst in die Bundesliga zu kommen, und haben etwas umgestellt. Das Training haben wir auf nachmittags halb vier vorgezogen. Alle Spieler bekamen bei ihrer Arbeit frei, und wir mussten nur eine Stunde Lohnausfall bezahlen. Mir war vor allem wichtig, dass die Spieler um 18.30 Uhr wieder zu Hause waren und noch Zeit für ihre Familien hatten. Und wir haben allen Spielern garantiert, dass sie auch in der Bundesliga bleiben können. Das war gut für unseren Zusammenhalt. Und am vorletzten Spieltag in Pirmasens machten wir dann den Aufstieg tatsächlich perfekt. Wir Feierabendfußballer! In der Bundesliga! Nach diesem Spiel habe ich sogar eine geraucht. Und so eine Feier habe ich nie wieder erlebt: Da war alles dabei – bis zum Autokorso durch Darmstadt. Aber vor allem die Rückfahrt aus Pirmasens war unbeschreiblich. Wir haben an jeder Raststätte Halt gemacht. Dann sind alle raus und in einer einzigen Dauerpolonaise durch die Tankstellen. Die Leute haben uns nur komisch angeguckt. Die hatten ja keine Ahnung, wer wir sind und was wir feierten. Ich bin oft aufgestiegen, habe sogar mit dem VfB Stuttgart den DFB-Pokal geholt. Aber diese Aufstiegsfeier, die war wirklich einmalig.

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