• DAS SPIEL MEINES LEBENS: MICHAEL KUTZOP: 22.4.1986, Werder Bremen – Bayern München 0:0 Michael Kutzop, 57, Fußballer

DAS SPIEL MEINES LEBENS: MICHAEL KUTZOP : 22.4.1986, Werder Bremen – Bayern München 0:0 Michael Kutzop, 57, Fußballer

Foto: picture alliance / dpa

Patsch! Ich höre noch heute, wie der Ball an den Pfosten klatscht. Welch ein Unglück! Aber von vorne: Als wir am vorletzten Spieltag die Bayern empfingen, hatten wir zwei Punkte Vorsprung. Ein Heimsieg also – und wir wären vorzeitig Deutscher Meister! Doch dann kam die 88. Minute, Spielstand: 0:0. Rudi Völler setzte sich auf der rechten Seite durch und zog in den Strafraum. Plötzlich ein Pfiff. Schiedsrichter Volker Roth hatte ein Handspiel von Sören Lerby gesehen, eine klare Fehlentscheidung zwar, doch er entschied auf Elfmeter für uns. Bayerns Kotrainer Egon Coordes war außer sich vor Wut und drosch den Ball bis ins Jenseits. Und Ersatzbälle gab es zu dieser Zeit ja noch keine. Es hieß also: Warten. Warten. Warten. Warten. Die Bayernspieler zogen unterdessen die üblichen Mätzchen ab, quasselten mich voll und traten mir auf die Füße. Es dauerte eine kleine Ewigkeit, bis die Kugel dann endlich vor mir lag auf dem Punkt. Ich war bis dahin ein todsicherer Schütze gewesen. Und auch dieses Mal machte ich alles wie immer: Ich wartete auf eine Reaktion des Torhüters, und als Jean-Marie Pfaff schon in der einen Ecke lag, schob ich den Ball in die andere. Doch patsch, Pfosten! Ich hatte die Riesenchance vergeben! Die letzten Sekunden des Spiels wusste ich gar nichts mehr, ein Filmriss, und ich lief herum wie Falschgeld. Nach dem Spiel munterten mich die Kollegen auf: Dann punkten wir eben in Stuttgart und feiern dort. Doch gegen den VfB verloren wir dann 1:2, die Bayern gewannen gleichzeitig 6:0 gegen Gladbach und wurden wegen des besseren Torverhältnisses noch Erster. Ich fühlte mich furchtbar und hatte den kompletten Sommer einen totalen Durchhänger. Wochenlang nervten mich dann auch noch ein paar besonders witzige Bayern-Fans, die sich am Telefon für den verschossenen Elfmeter bedankten. Es herrschte erst wieder Ruhe, als ich mir eine neue Nummer geben ließ. Nur das „Patsch“, das ist bis heute geblieben.

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