• DAS SPIEL MEINES LEBENS: ROLF-PETER „BUTTJE“ ROSENFELD: 03.09.1977: Hamburger SV – FC St. Pauli 0:2 Rolf-Peter Rosenfeld, 54, Journalist

DAS SPIEL MEINES LEBENS: ROLF-PETER „BUTTJE“ ROSENFELD : 03.09.1977: Hamburger SV – FC St. Pauli 0:2 Rolf-Peter Rosenfeld, 54, Journalist

Foto: rjk, 4c
Foto: rjk, 4c

Aufgezeichnet von Andreas Bock.

1977 – ich hatte gerade Abitur gemacht und St. Pauli war aufgestiegen in die Bundesliga. Nach einer berauschenden Zweitligasaison fuhren wir im Sommer alle gemeinsam nach El Arenal. Ich hatte noch nie Alkohol getrunken. Und dann nippte ich dort an der Sangria und war begeistert, richtig lecker, schön süß. Doch von der Feier habe ich mich vier Tage nicht mehr erholt. In die neue Spielzeit gingen wir dann nur mit 16 Spielern. Es war einfach kein Geld vorhanden. Und bis zum sechsten Spieltag lief es auch nicht sonderlich gut für uns, nur ein Sieg und ein Unentschieden. Dann mussten wir zum HSV! Es war das erste Bundesligaderby der beiden Mannschaften, der HSV war haushoher Favorit, die waren ein paar Wochen vorher Europapokalsieger geworden. Das waren Giganten: Peter Nogly, dieser beinharte Typ, Manni Kaltz, Rudi Kargus, Kevin Keegan, der erste Weltstar in Deutschland, Felix Magath. Und 50 000 Menschen im Stadion! Ich saß leider nur auf der Bank. Der Trainer stellte Walter Oswald, einen extrem laufstarken und ausgebufften Spieler, gegen Kevin Keegan. Und vielleicht war das ja der Schlüssel zum Erfolg, denn Keegan sah während des gesamten Spiels keinen Stich. Der HSV hat gedrückt ohne Ende, ich kann mich aber an keine wirklich hochkarätige Chance erinnern. Unser Bollwerk hielt stand, zudem konnten wir nach dem glücklichen 1:0 in der 30. Minute auf Konter spielen. Mitten in der Partie kippte die Stimmung im Volksparkstadion – auch die HSV-Fans standen auf unserer Seite. So etwas hatte ich noch nie erlebt: Auf dem Kopf eine HSV-Mütze, auf den Lippen „Sankt-Pau-liii“. Es schwang Schadenfreude über den HSV und gleichzeitig eine spontane Sympathie für den Außenseiter mit, der bis zum Umfallen kämpfte, während dem HSV nichts gelang. Nach diesem Spiel waren wir gespannt, wie es weitergehen würde. Dann merkten wir: Es geht überhaupt gar nicht weiter. Am Ende mussten wir als Tabellenletzter wieder runter.

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