Sport : Daten im Wind

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Der Blick von Rubens Barrichello ging ins Leere, als ein Mechaniker seinen Ferrari zurück in die Box schob. Wie schon vor zwei Wochen in Imola hatte der Brasilianer während des gesamten Qualifikationstrainings geführt. Und wie schon vor vierzehn Tagen entriss ihm sein Teamkollege Michael Schumacher in letzter Minute die Poleposition. Diesmal war es allerdings schon so weit, dass die Experten sich langsam kundig machten, wann denn Schumacher zum letzten Mal von einem Teamkollegen im Training geschlagen wurde.

Denn bei jeder seiner Qualkifikationsrunden zum Großen Preis von Spanien hatte er fast auf die Tausendstelsekunde genau den gleichen Rückstand auf Barrichello. Erst in seinem letzten Versuch, in dem er seine Zeit um fast eine Sekunde verbesserte, überholte er den Brasilianer. „Es war ziemlich anstrengend und schwierig, Rubens vom ersten Platz zu verdrängen“, meinte der Weltmeister, der auf dem 4730 Meter langen Circuit de Catalunya die 46. Poleposition seiner Karriere herausfuhr.

„Insgesamt sind wir sehr zufrieden und freuen uns auf das Rennen“, sagte der 56-malige Grand-Prix-Sieger. Dass er sich anfangs recht schwer getan hatte, begründete Schumacher mit den Windverhältnissen. „Zum Schluss habe ich den richtigen Moment erwischt.“ Mit Barrichellos Hilfe allerdings. Schumacher hatte seine Daten mit jenen des Kollegen verglichen und zwischenzeitlich die Abstimmung verändert. „Es ist gut“, meinte Schumacher, „wenn man so zusammenarbeiten kann.“ Aus dem Mund von Barrichello klingt das schon anders: „Wir alle wissen, wie stark Michael ist. Ich werde mich weiter anstrengen und wohl noch einige Male auf die Pole kommen.“

Hinter den beiden Ferrari teilen sich die Williams-Piloten Ralf Schumacher und Juan Pablo Montoya die zweite Reihe. Ralf Schumacher hatte fast eine Sekunde Rückstand auf seinen Bruder, war aber trotzdem recht zufrieden: „Ich bin ein bisschen überrascht. Gestern hat es nicht so gut ausgesehen.“

In der Tat hatte Williams-BMW im Vergleich zum Freitag einen großen Fortschritt gemacht. Mehrfach wurde von Teamseite verkündet, dass die Strecke in Barcelona den aerodynamischen Merkmalen des Autos nicht liegt. Da sind Startplätze in der zweiten Reihe schon ein Erfolg. „Wir sind hochzufrieden“, sagte BMW-Technikdirektor Mario Theissen.

Zumal Montoya wegen Zünd-Aussetzern kurzfristig ins Ersatzauto umsteigen musste. „Wir sind in einer Position, von der aus wir in die Punkte fahren können oder auch aufs Podium“, resümierte Ralf Schumacher. Auf den Sieg scheint er nicht mehr zu hoffen: „Im Moment ist Ferrari leider bei der Aerodynamik besser. Das ist unser Problem in diesem Jahr.“

Ein Problem, das McLaren-Mercedes wegen der ohnehin vorhandenen eigenen Schwäche nur bedingt betrifft: Kimi Räikkönen kam auf den fünften, David Coulthard auf den siebten Startplatz. „Fast eineinhalb Sekunden Abstand zur Spitze sind nicht unser Wunschresultat“, sagte Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug. Gute Ergebnisse erzielten dagegen zwei Mönchengladbacher: Sauber-Pilot Nick Heidfeld kam auf Rang acht, Heinz-Harald Frentzen durfte sich als Zehnter über sein bisher bestes Resultat mit Arrows freuen. dpa/Tsp

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