Sport : Daum-Affäre: Christoph Daum gibt nicht auf

Nach der Präsentation einer ihn entlastenden Haaranalyse hat die Verwirrung in der Kokain-Affäre um den ehemaligen Leverkusener Trainer Christoph Daum noch weiter zugenommen. Nun soll ein Gen-Test Klarheit in das große Rätselraten bringen. Dabei soll festgestellt werden, ob die erste, in Leverkusen genommene Haarprobe vom 9. Oktober, wirklich von Daum stammt. Rechtsanwalt Dietmar Tambor von der Kölner Anwaltskanzlei, die Daum vertritt, bestätigte am Freitag, dass mit einer DNA-Analyse bewiesen werden solle, dass die positive Probe nicht von Daums Haaren stamme.

Dieser Test, bei dem laut Bayer-Repräsentanten Kokain-Werte "eines hochgradig Abhängigen" festgestellt worden waren, hatte in der Nacht vom 20. auf den 21. Oktober dazu geführt, dass sich Bayer 04 Leverkusen von Daum als Trainer getrennt hatte. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hatte gleichzeitig die Vereinbarung mit dem 47-Jährigen für hinfällig erklärt, dass er am 1. Juni 2001 als Nachfolger von Rudi Völler Bundestrainer werden solle.

Unterdessen bekräftigte Daum in einem Interview mit der "Bild"-Zeitung erneut seine Unschuld. "Die Art und Weise, wie meine Haaranalyse in den USA abgelaufen ist, ist über jeden Zweifel erhaben. Und das Ergebnis ist negativ. Auch daran gibt es nichts zu rütteln." Am Donnerstag hatte "Bild" berichtet, Daum habe in den USA eine ihn entlastende zweite negative Haaranalyse vornehmen lassen. Durch eine unkorrekte Angabe, welches Institut diese zweite, am 6. November veranlasste Untersuchung vorgenommen hatte, wurde das Analyse-Ergebnis zunächst wieder in Frage gestellt. Der ARD-Hörfunk berichtete am Freitag, beim US-Labor American Medical Laboratories Inc. (AML) sei der Name Daum nicht bekannt.

Die "Bild"-Zeitung korrigierte zugleich die Angabe vom Vortag, nach der Daum die negative Haaranalyse dort vorgenommen habe. Mit Verweis auf Angaben der Kölner Daum-Anwälte berichtete die Zeitung am Freitag, im AML sei lediglich eine Blut- und eine Urinprobe gemacht worden. Die Haarprobe sei vom Peak Medical Service in Orlando genommen worden und vom American Toxicology Institut in Las Vegas mit negativem Ergebnis untersucht worden. Belegt wurde dies mit dem Abdruck eines Formulars.

Für den Deutschen Fußball-Bund (DFB) unterstrich Gerhard Mayer-Vorfelder, dass die neuen Entwicklungen für den Verband bedeutungslos seien. Der DFB-Vizepräsident sieht Daum durch die in den USA vorgenommene Haaranalyse nicht vom Vorwurf des Drogenkonsums entlastet. "Wenn er jetzt in Amerika so was macht, kann er sich hier nicht davon freischwimmen in Deutschland", sagte Mayer-Vorfelder am Donnerstagabend im Deutschen Sportfernsehen. "Das müsste vom gleichen Institut mit einer anderen Haarprobe gemacht werden", sagte er und forderte den in den USA befindlichen Daum auf, nach Deutschland zu kommen "und hier eine Haaranalyse machen zu lassen".

Daum, der nach der ersten positiven Probe von "einer Verschwörung" gegen ihn gesprochen hatte, kündigte an, sich demnächst in Deutschland zu stellen. "Keine Sorge, das werde ich rechtzeitig tun", erklärte er in "Bild". Darin äußert sich Daum auch zu der entnommenen Blutprobe. "Nach den in Deutschland festgestellten hohen Werten müsste mein Blut nach den Angaben meiner Ärzte über mehrere Monate hinaus belastet sein. Dies ist nach den vorgelegten Ergebnissen nicht der Fall."

Das Angebot von Leverkusen, einen bereits reservierten Platz in einer Bonner Spezialklinik zu belegen, hatte Daum zurückgewiesen. Alternativ hatte der Verein ihm angeboten, für ihn eine Klinik für Suchtkranke in Florida zu buchen. Daum hatte auch dies abgelehnt, ehe er einige Stunden später nach Florida geflogen war. Am 21. Oktober teilte Bayer 04 Leverkusen dann auf einer Pressekonferenz die völlig überraschende Trennung von Daum mit.

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