Sport : Daum-Affäre: Der Fehler des Strategen

Helmut Schümann

Uli Hoeneß hat gesagt, wenn denn die Fakten stimmen, die über Christoph Daum so erzählt werden, dann sei er untragbar als Bundestrainer. Ist das üble Nachrede, Verleumdung gar?

Juristisch dürfte das schwer haltbar sein. Strategisch aber ist das schwer angreifbar, ein Fehler, wie er Uli Hoeneß wohl noch nie unterlaufen sein dürfte. Verhindern wollte und will er Daum als Bundestrainer. Ob das nun durch persönliche Animositäten oder tiefe Sorge um den deutschen Fußball motiviert ist, sei dahingestellt. Es gibt zumindest zahlreiche Indizien, die einem schon die Sorgenfalten ins Gesicht treiben, angesichts eines Bundestrainers Daum.

Aber warum bloß wählte Hoeneß ausgerechnet jenes Feld, auf dem Daum am schwierigsten zu packen ist? Auf dem Daum leichtes Spiel hat, sich zu verteidigen, die Vorwürfe zu widerlegen und abzulenken von all seinen möglichen anderen Verfehlungen?

Am Ende der ganzen Affäre, hat Hoeneß gesagt, werden sich viele Menschen bei ihm entschuldigen müssen. Heute wird er sich erklären. Aber wenn er nichts Wesentliches mehr beizutragen hat als wahrscheinlich widerlegbare Kokainvorwürfe, wenn er es nicht schafft, die Debatte um Daum wegzubekommen von dem Schmuddelkram und hinzubewegen zum sachlichen Abwägen über Daums sportliche Qualitäten, dann wird sich niemand bei ihm entschuldigen.

Dann wird er vielleicht Recht haben mit seinen Zweifeln am Bundestrainer Daum. Aber es wird ihm nichts nützen, weil der große Stratege Uli Hoeneß einen großen strategischen Fehler gemacht hat.

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