Sport : Daum-Affäre: Uli Hoeneß und der Rundumschlag

Uli Hoeneß hat sich erstmals ausführlich über die Folgen der Affäre um Christoph Daum geäußert und bei seiner Generalabrechnung auch Kritik an Franz Beckenbauer geübt. "Ich hätte anfangs von Franz mehr Unterstützung gewünscht, wie es Karl-Heinz Rummenigge von der ersten Sekunde an tat", sagte der Manager des Deutschen Fußballmeister in einem Interview mit der "Süddeutschen Zeitung". Gleichzeitig bezog der 48-Jährige Stellung zu den Anfeindungen, Mord- und Bombendrohungen gegen seine Person. "Einige hatten sicher vor, mich zu vernichten", wird Hoeneß zitiert: "Meine Person wurde durch die Medienmaschinerie in einer Form diffamiert, wie noch nie ein Mensch schuldlos diffamiert wurde."

Der Zickzackkurs Beckenbauers, der sich zu Beginn der Debatte über den Drogen-Fall Daum widersprüchlich verhielt, hat bei Hoeneß keinen guten Eindruck hinterlassen. "Er hat mit seiner ersten Äußerung, als er einfach das Falsche übernahm, noch mehr Öl ins Feuer gegossen", meinte der Bayern-Manager und merkte angesichts der Ämtervielfalt Beckenbauers an, dass es "sicher besser wäre, wenn der Präsident eines Vereins nicht Kolumnist einer Zeitung wäre".

In der "SZ" nahm Hoeneß deutlich Distanz zu seinem bisherigen Freund Reiner Calmund. "Ich benutze den Namen Calmund nicht mehr, er ist für mich nicht mehr existent. Ich werde mit ihm kein Wort mehr wechseln. Sein Vernichtungswille hat mich überrascht", sagte Hoeneß über den Manager von Bayer Leverkusen. Mit dem früheren Werder-Manager und jetzigen Bremer Bildungssenator Willi Lemke möchte er ebenfalls "nie mehr was zu tun haben. Erstaunlich, dass ein Mann mit einem solchen Charakter Minister eines Bundeslands werden kann und für die Erziehung zuständig ist".

Kein gutes Haar ließ Hoeneß auch an Bundesjustizministerin Herta Däubler-Gmelin, die ihn heftig attackiert hatte. "Sie sah eine wunderbare Gelegenheit, sich zu profilieren auf Kosten eines anderen. Bis heute hatte sie nicht den Mut zur Entschuldigung, obwohl sie ja feststellen musste, dass sie total schief lag", sagte Hoeneß, der auch die Medien und die "Willkür im Journalismus" mitverantwortlich für die Entwicklung in der Daum-Diskussion machte: "Früher wurde angerufen, recherchiert, heute darf jeder Trottel irgendwas behaupten und muss sich nicht mal rechtfertigen."

Aus den Folgen der Daum-Affäre zog Hoeneß bereits erste Konsequenzen. Der Manager kündigte an, der FC Bayern werde sich nach Ende dieser Saison aus der Task Force zurückziehen. Hoeneß betonte, dass er sich nicht aus dem Fußballgeschäft zurückziehen werde.

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