Sport : Daum frei und wieder zu haben

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Von Thomas Seibert

Koblenz/Istanbul. Zwei Nachrichten für Christoph Daum, den 48jährigen Fußballtrainer. Zuerst die gute: Nach fast siebenmonatiger Verhandlungsdauer hat das Landgericht Koblenz am gestrigen Montag den Prozess gegen ihn eingestellt. Seine Verteidiger einigten sich mit der Staatsanwaltschaft und der Ersten Großen Strafkammer auf die Zahlung einer Geldbuße von 10 000 Euro an eine soziale Einrichtung. Die zweite Nachricht: keine ganz so gute. Daums Arbeitsverhältnis mit dem türkischen Erstligisten Besiktas Istanbul ist beendet.

Streit über die Transferpolitik soll zum Bruch zwischen ihm und dem Verein geführt haben. Das erklärte Daum nach seinem letzten Auftritt als Coach von Besiktas Istanbul am Samstag beim 0:1 in Gaziantespor: „Ich habe dem Präsidium von Besiktas fünf oder sechs Spieler für einen Transfer vorgeschlagen. Doch alle wurden abgelehnt. Bei der Verpflichtung von ausländischen Akteuren hatte ich kein Mitspracherecht.“

Am Samstag hatte Besiktas-Vizepräsident Yildirim Demiron noch erklärt, dass sich der Verein und Christoph Daum „im gegenseitigen Einvernehmen“ getrennt hätten. Die durch Daums Kokain-Prozess fehlende Planungssicherheit hätte beide Seiten zu dieser Entscheidung bewogen. „Mein Herz wird immer für Besiktas schlagen“, soll Christoph Daum zum Abschied gesagt haben. Doch der Verein habe einfach nicht genug Geld, um Spitzenspieler zu kaufen. Deshalb wolle er nicht bleiben.

Allerdings fand sich bei Besiktas auch niemand, der den deutschen Trainer umstimmen wollte: Besonders wegen seines langwierigen Prozesses galt Daum in Istanbul schon seit Wochen als angeschlagen; sogar sein Nachfolger soll schon gefunden worden sein. Beim letzten Saisonspiel mit Besiktas verabschiedete sich Daum am Wochenende mit einer erneuten Niederlage.

Dabei war der Trainer vor etwas mehr als einem Jahr als Retter in der Not nach Istanbul gekommen. Die Anstellung bei Besiktas Istanbul war sein erster Trainer-Posten seit dem Kokain-Skandal ein Jahr zuvor. Die Türken verziehen ihm den Drogen-Konsum zunächst, denn Besiktas befand sich in einer schwierigen Lage: Die Vereinsführung war gegen Ende der Saison mit der Leistung der Mannschaft unzufrieden, weil die Meisterschaft unerreichbar war. Daum sprang damals für den Italiener Nevio Scala ein, der kurzerhand abserviert wurde. In den Neunzigerjahren hatte Daum die Traditionsmannschaft Besiktas zu Meisterschaft und Pokalsieg geführt und genoss deshalb in Istanbul noch einen glänzenden Ruf.

Doch in der neuen Saison reichten die Vorschuss-Lorbeeren nicht mehr. Aus dem Meistertitel wurde wieder nichts, zudem blamierte sich Christoph Daums Mannschaft im Pokalfinale gegen die Provinzmannschaft Kocaelispor: Besiktas verlor mit 0:4. Am Ende der Saison lag die Mannschaft 16 Punkte hinter Meister Galatasaray Istanbul und 13 Punkte hinter dem zweiten Istanbuler Lokalrivalen, dem von dem ehemaligen Münchner Trainer Werner Lorant geleiteten Klub Fenerbahce. Der Favorit für Daums Nachfolge ist Mircea Lucescu, der bisherige Trainer von Galatasaray.

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