David Beckham : Als Zuschauer zum Titel

David Beckham wird bei seinem Abschied verletzt ausgewechselt - trotzdem verdankt ihm Real viel.

Julia Macher
Becks
Foto: AFP

Madrid - Als Real Madrid den Titel gewann, saß David Beckham auf der Bank. Trainer Fabio Capello hatte den englischen Fußballstar in der 65. Spielminute ausgewechselt, weil es in dessen verletztem Knöchel wieder ziepte. Und so verbrachte Beckham, der im Juli zu Los Angeles Galaxy wechselt, den Rest seines letzten Spiels im weißen Trikot als Zuschauer. An seinem Schuh kauend sah er, wie der für ihn eingewechselte Jose Antonio Reyes den Ausgleich erzielte; sah, wie Mahamadou Diarra für Real traf und zwei Minuten später Reyes Madrid unumstößlich zum Meister machte. David Beckhams berühmter rechter Fuß war an keinem der drei Tore beteiligt. Viele Kilometer war er gerannt, hatte Bälle zurückgeholt, einen Freistoß übers Netz befördert; ihm gelang auch ein schöner Pass auf Ruud van Nistelrooy, mit dem er in den letzten Wochen immer wieder ein torgefährliches Duo gegeben hatte. Doch mehr wurde diesmal nicht daraus.

Dennoch: Die Ovationen, mit denen das Santiago-Bernabeu-Stadion den letzten der Galaktischen verabschiedete, waren berechtigt. Sie galten weniger Beckhams etwas nervösem Abschiedsauftritt, sondern den Leistungen davor. Vom Vereinspräsidenten Ramon Calderon nach Bekanntgabe seines Wechsels als mittelmäßiger Hollywoodschauspieler verunglimpft, von Coach Fabio Capello zeitweise vom Platz gestellt und zum Einzeltraining verdonnert, hätte Beckham eigentlich allen Grund gehabt, während der letzten Monate in Spanien eine ruhige Kugel zu schieben. Aber er zeigte Teamgeist. Und kämpfte. So sehr, dass der Klub ihn vor anderthalb Wochen doch noch zum Bleiben bewegen wollte, vergeblich. Der Meisterpokal ist nun das Abschiedsgeschenk der Mannschaft an ihn. „Keiner wird dir sagen können, dass du in Madrid nichts gewonnen hast,“ schrie Roberto Carlos ihm ins Ohr, „wir haben es uns verdient.“ Dann umarmte der Brasilianer, der den Klub ebenfalls verlässt, seinen Freund. Innigst aneinander geschmiegt standen die beiden im tosenden Stadion, ummäntelt von ihrer jeweiligen Nationalflagge, davor wie Orgelpfeifen die drei Söhne Beckhams. Ein Bild, wie erdacht von einem Hollywoodregisseur, so recht nach Beckhams Geschmack. Wie kein anderer hat die Nummer 23 das Medienprojekt des ehemaligen Vereinspräsidenten Florentino Perez verkörpert. 35 Millionen Euro zahlte Real vor vier Jahren für Beckham an Manchester United; eine mehr als rentable Ausgabe. Der Glamourstar wurde zur Ikone des Klubs in Asien. Das publicityträchtige Unternehmen „Victoria, David and Co.“ füllte täglich die Zeitungsseiten mit Nachrichten über Irokesenschnitte, Diamantohrringe und Jeans in der Größe Doppelnull. Beckham brachte Pop und Pep in den spanischen Fußball. Dass er sich bei seinem neuen Verein in den USA nun 100 Prozent der Rechte am eigenen Image gesichert hat, ist nur konsequent.

Die Kameras fingen an dem Abend, an dem Madrid Meister wurde, noch eine andere Umarmung ein: Fabio Capello legte seine Hände um Beckham, mehr Rückentätscheln als herzliche Sympathiebekundung. So, als wollte er sagen: „Tut mir doch irgendwie leid, Junge.“ Die Worte dafür fand der Trainer erst nach dem Spiel. Den Engländer auf die Tribüne zu verbannen, sei der größte Fehler der Saison gewesen. So klar hat das Capello, dem Beckham mindestens ein Mal den Kopf gerettet hat, noch nie gesagt.

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