Sport : David Beckham

Wie Englands Star gegen Paraguay spielte

Robert Ide

So fangen große Spiele an. David Beckham legt sich den Ball zum ersten Freistoß zurecht. Aus knapp 30 Meter Torentfernung schickt er ihn auf die Reise in den Strafraum des Gegners, halbhoch und scharf angeschnitten, wie es wohl nur der Mittelfeldstar von Real Madrid vermag. Fünf Spieler springen hoch, drei aus England, zwei aus Paraguay, und schon liegt der Ball im Tor. Paraguays Kapitän Carlos Gamarra wollte seine Abwehr schützen, doch sein Kopfball bringt dem Team nur Unglück. Die Engländer dagegen feiern ihren Kapitän. Als sie auf ihn zulaufen, ballt Beckham die Faust. Es sind nicht einmal drei Minuten gespielt.

So gehen große Spiele nicht weiter. Beckham legt sich den Ball zur ersten Ecke zurecht. Er läuft an, der Ball segelt in den Strafraum, doch er ist weder scharf, noch nah genug am Tor, um gefährlich zu werden. Diese Ecke brachte nichts ein. Die nächsten fünf von Beckham auch nicht.

Er ist der Star des Teams, doch in der Hitze von Frankfurt spielt er sich nicht aus dem Schatten. Beckham soll das Spiel öffnen, doch allzu oft werden seine Pässe zur Verschlusssache. Seinen Flanken von der rechten Seite fehlt es zuweilen an Präzision. Enttäuscht winkt er ab und zieht sich aus dem Zentrum zurück.

„Mit meiner Leistung bin ich recht zufrieden“, wird er nach dem Abpfiff sagen. Es ist die Aussage eines Unzufriedenen. Mit einem Schlenzer, der knapp am Tor vorbeifliegt, zeigt er kurz seine Möglichkeiten, dann verabschiedet er sich aus der ersten Halbzeit. In der zweiten wirkt er gebremst – wie sein Team.

Es ist eines jener Spiele, das Beckham an sich reißen könnte: Beide Mannschaften verlieren zunehmend die Ordnung im Mittelfeld, nun könnte einer wie er bestimmende Linien ziehen. Doch er hat nach einer wenig erfreulichen Saison bei Real Madrid zu oft Mühe mit sich selbst. Zwei Drittel des Spiels sind schon verplempert, als er noch einmal zeigt, was ihn gefährlich macht: die Übersicht zu behalten. Von rechts bringt er den Ball in den Strafraum, der kommt zunächst als Fehlpass zurück. Den aber nimmt Beckham volley mit dem rechten Fuß, ansatzlos schiebt er ihn über das halbe Feld zu Frank Lampard. Der schießt – fast ins Tor.

Beckham hat die Weltmeisterschaft mit einem Sieg begonnen. Doch der Kapitän ragte selten aus seinem Team heraus. England kann sich noch steigern, der Star des Teams auch.

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