Sport : David Coulthard im Gespräch: "Keine Angst, besiegt zu werden"

Wie sehen Sie Ihre Chancen[erstmals Weltmeister z]

David Coulthard (30) ist im McLaren-Mercedes derzeit Michael Schumachers härtester Rivale um den WM-Titel in der Formel 1. Der Schotte (112 Grand Prix, 10 Siege) war gestern Schnellster im Freien Training vor dem Großen Preis von Österreich am Sonntag in Spielberg.

Wie sehen Sie Ihre Chancen, erstmals Weltmeister zu werden?

Die WM ist komplett offen, für mich ist das ein Dreikampf zwischen uns, Ferrari und jetzt auch BMW-Williams.

Haben sie den psychologischen Vorteil, noch hungriger als Mika Häkkinen oder Michael Schumacher zu sein? Die haben schon Titel gewonnen, sind etablierte Familienväter. Sie sind frei, ungebunden.

Glück und Zufriedenheit mit dem eigenen Leben kann sich sehr verschieden definieren. Der eine findet es im Rückhalt seiner Familie, der andere in größerer Unabhängigkeit. Ein Vorteil für mich wäre es nur, wenn die anderen mit ihrer Situation unzufrieden wären. Aber sie erscheinen mir in ihrem Leben sehr glücklich, ich bin mit meiner Art zu Leben glücklich. Deshalb glaube ich, dass wir uns emotional auf einer Ebene bewegen.

Ist ihr Teamkollege Häkkinen trotz seines großen Punkterückstandes noch ein ernsthafter Titelkandidat?

Auf jeden Fall. Er ist immer schnell, wenn das Auto ihn nicht im Stich lässt, kann er immer gewinnen. Die Tatsache, dass er einen sehr schlechten Start in die Saison hatte, macht ihn nicht weniger ehrgeizig. Die Leute ordnen immer gerne alles in Schubladen ein: Der hat keine Chance mehr, der kann noch gewinnen, der hat keinen Biss mehr. Aber die Saison ist noch so lang. Frühestens nach der Hälfte des Jahres kann man ein gewisses Muster erkennen.

Letztes Jahr hat das Pendel bei McLaren-Mercedes ein paar Mal in verschiedene Richtungen ausgeschlagen, am Ende war Häkkinen doch wieder deutlich vorn. Haben Sie Angst, dass das wieder passieren könnte?

Nein, denn ich habe keine Angst davor, besiegt zu werden. Ich weiß, dass ich gewinnen kann, aber wenn ich in einem fairen Kampf von einem stärkeren Konkurrenten geschlagen werde, dann bewundere ich den, denn ich weiß, wie schwer das ist.

Sie betonen aber immer wieder, sie seien nur in der Formel 1, um zu gewinnen. Könnten Sie dann damit leben, nie Weltmeister zu werden? Oder würde das Ihr Lebensglück für die Zukunft beeinträchtigen?

Es würde mein Leben nicht zerstören. Ich hatte schon bis jetzt ein sehr schönes Leben. Ich habe Situationen erlebt, von denen ich weiß, dass sie das Ende meines Lebens hätten bedeuten können. In solchen Momenten stellt man sich die Frage: Warst du glücklich in deinem Leben? Ich habe mein Leben in dieser Richtung analysiert. Sicher wäre ich glücklicher, wenn ich einen Titel gewonnen hätte, aber nicht jeder, der einen verdient, gewinnt auch unbedingt einen. Wenn ich weiß, dass ich 100 Prozent gegeben habe, das Maximum von dem geleistet habe, das ich leisten kann - und ich denke, dass ich da immer noch in einem Entwicklungsprozess bin und dass ich von den Leuten, die mit mir arbeiten, respektiert werde - dann habe ich auch schon sehr viel erreicht, denn das können nicht viele von sich behaupten.

Sie haben aber kürzlich einmal zugegeben, dass die Rennergebnisse ihr Leben schon stark beeinflussen. Heißt das, dass sie dann nach einem fünften Platz wie in Barcelona mindestens eine Woche lang sauer sind?

Ich denke schon darüber nach. Aber Barcelona war keine Belastung, weil ich aus einer problematischen Situation für mich noch das Optimale herausgeholt habe. Aber wenn ich am Start stehen geblieben wäre, weil ich selbst einen Fehler gemacht hätte, dann hätte ich mit Sicherheit ein Problem bis zum Start des nächsten Rennens gehabt, weil ich es hasse, Fehler zu machen.

Die Gerüchteküche in Italien hat sie schon wieder mal als Kandidaten für den zweiten Platz bei Ferrari neben Michael Schumacher gehandelt? Würden Sie darüber überhaupt nachdenken, mit Schumacher zusammen in einem Team zu fahren?

Generell sehe ich meine Zukunft mit McLaren-Mercedes. Erst, wenn dort einmal kein Platz mehr für mich wäre, müsste ich mich umschauen. Erst dann hat es überhaupt Sinn, über so etwas nachzudenken.

Was die persönliche Beziehung angeht. Ist die Tür zu Michael Schumacher zu?

Nein, sie ist immer offen. Ich habe persönlich kein schlechtes Verhältnis zu ihm - auch wenn wir schon Meinungsverschiedenheiten über Zwischenfälle auf der Strecke hatten.

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