Sport : David „Fiesta“ Villa

Der Spanier avanciert zur EM-Überraschung und verzückt seine Landsleute

Innsbruck - Vielleicht muss man sich bald Sorgen machen um diesen alten Herren, den Opa der EM. Luis Aragonés trainiert derzeit seine spanische Mannschaft nicht nur mit sehr viel Geschick, Sachverstand und Fortune, sondern auch mit – und das ist das erstaunliche – sehr viel Freude. Erst kündigte er nach dem etwas längeren Discobesuch von Verteidiger Sergio Ramos an, dass er den jungen Mann demnächst begleiten werde, falls in der Disco ein flotter Flamenco gespielt werde. Und jetzt wird er nach dem späten Siegtreffer durch David Villa gegen Schweden auch noch emotional. „Dieses entscheidende Tor fiel so spät, dass es mich mehr berührt hat als normalerweise. Es war schön, wie die Spieler zusammen mit den Ersatzleuten gefeiert haben“, sagte der 69-Jährige.

Diese Freude ist nur zu verständlich, garantierte der späte Treffer doch den Gruppensieg und die vorzeitige Qualifikation für das Viertelfinale. David Villa avanciert mit seinem vierten Treffer allmählich zur Überraschung des Turniers und ganz nebenbei steigert er auch mit jedem Tor seinen Marktwert, der derzeit auf 30 Millionen Euro taxiert wird. Der 26-jährige Angreifer bleibt aber gelassen: „Das Wichtigste sind die sechs Punkte, und jetzt hoffe ich, dass die Fiesta weiter geht.“ In seiner spanischen Heimat klettert der Stürmer des FC Valencia allmählich die Helden-Leiter immer weiter empor. Die sonst eher nüchterne „El País“ hat ihn bereits als „Lichtgestalt“ ausgerufen. Was soll da noch kommen? Franz Beckenbauer wurde erst lange nach seiner Karriere in diesen Status erhoben.

Und trotzdem. Das Spiel der hochgehandelten Spanier sollte Trainer Aragonés auch etwas nachdenklich stimmen. Denn die Leistung gegen Schweden war längst nicht so überzeugend wie beim 4:1-Sieg davor gegen Russland. Gegen die besser organisierten Schweden taten sich die Spanier lange Zeit schwer. Auch der zuvor viel gelobte Andres Iniesta zeigte keine sonderlich überzeugende Leistung. Zudem deckten die Schweden einige Schwachstellen in der spanischen Abwehr auf, die auch schon gegen Russland sichtbar wurden. Vor allem der frühe Ausfall von Abwehrchef Carles Puyol, den eine Fußsohlenverletzung plagt, verunsicherte die spanische Defensive. Spielmacher Xavi und Santi Cazorla sind ebenfalls angeschlagen. Aber Aragonés gibt Entwarnung: „Es ist alles nichts Ernsthaftes.“

Auch sein schwedischer Kollegen Lars Lagerbäck kann aufatmen. Der musste zur Pause seinen verletzten Torjäger Zlatan Ibrahimovic auswechseln. Dessen Einsatz ist im entscheidenden Spiel gegen Russland aber sicher. Aragonés bereitet sich dagegen gedanklich schon auf das Viertelfinale vor und das nächste Freudentänzchen seiner Jungs. Tsp

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