Davie Selke : Jung, erfolgreich, trifft

Der 19 Jahre alte Torjäger Davie Selke entscheidet mit seinem Treffer für Bremen das Spiel gegen Borussia Dortmund – er verkörpert gemeinsam mit seinem Sturmpartner Melvyn Lorenzen den neuen Weg von Werder.

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Davie Selke war gegen Dortmund Werders Matchwinner.
Davie Selke war gegen Dortmund Werders Matchwinner.Foto: dpa

Werder Bremens Trainer Viktor Skripnik musste unlängst etwas richtigstellen. „Manchmal, wenn ich die Zeitungen lese“, sagte er, „könnte man ja fast glauben, dass ich die älteren und erfahrenen Spieler hasse.“ Skripnik, erst vor wenigen Wochen vom U-23-Trainer zum Chef der Bundesligamannschaft befördert, versicherte, dass dem überhaupt nicht so sei. Er entscheide einzig nach den Trainingsleistungen. So hatte sich Skripnik im Kellerduell gegen Borussia Dortmund wieder einmal für junge Spieler im Angriff entschieden. Statt arrivierter Kräfte wie Nils Petersen und Eljero Elia hatte Skripnik den erst 19-jährigen Davie Selke und den nur zwei Monate älteren Melvyn Lorenzen aufgeboten. Selke darf man durchaus als Matchwinner bezeichnen: Er schoss das erste Tor gegen den BVB und bereitete das zweite Tor von Fin Bartels vor.

Davie Selke ist im Sommer dieses Jahres mit der deutschen U-19-Nationalmannschaft Europameister geworden. Der Jungprofi war zudem mit sechs Treffern bester Torschütze des Turniers. Das war bis dahin das Karriere-Highlight des Stürmers. Plötzlich war er ein gefragter Mann, auch bei einigen Spitzenklubs in Europa. „Da waren richtig lukrative Angebote dabei – was das Geld angeht“, sagt Selke. Aber für ihn war es nicht lukrativ. Weil er spielen will. Die kommenden Jahre bei einem europäischen Spitzenklub auf der Ersatzbank zu versauern – das kam nicht infrage. Also entschied sich Selke für Werder und verlängerte seinen Vertrag vorzeitig bis 2018. „Hier habe ich eine Perspektive, hier kann ich spielen. Das ist wichtig für mich.“

In Bremen kann er spielen, weil der Trainer ihn schätzt und der Klub aufgrund der prekären finanziellen Situation perspektivisch denkt. „Auf eigene Talente zu setzen“, sagt Bremens Geschäftsführer Thomas Eichin gebetsmühlenartig, „ist der richtige Weg und für uns alternativlos.“

Davie Selke wollte sich nicht gedulden

Selke, Sohn eines äthiopischen Vaters und einer tschechischen Mutter, stammt eigentlich aus Schorndorf in Schwaben. Er spielte für die Stuttgarter Kickers und den VfB Stuttgart, ehe sich die TSG Hoffenheim 2009 das Talent angelte. Die Profiabteilung plante jedoch zunächst noch nicht mit dem schlaksigen Angreifer. Doch der wollte sich nicht gedulden, hatte einen klaren Plan und wechselte deshalb im Sommer 2013 zu Werder, um seinen Traum von einer Karriere als Profi möglichst bald zu verwirklichen. Der Plan scheint aufzugehen. Mit dem Hype nach dem Gewinn des U-19-Europameistertitels scheint Selke vernünftig umgegangen zu sein. Der Titel sei eine Chance gewesen, Schwung aufzunehmen, „aber es wäre doch fatal gewesen, arrogant durch die Gegend zu laufen und nicht weiterzuarbeiten“, sagt er.

Sein Partner im Angriff, Melvyn Lorenzen, schoss gegen den BVB kein Tor. Er spielte nicht so spektakulär wie sein Kumpel. Aber dass er überhaupt auf dem Platz stand, ist schon bemerkenswert. Denn eigentlich hatte Lorenzen schon seinen Urlaub im Oman geplant. Mehr als ein Jahr war er aufgrund eines Knorpelschadens im Knie zum Zuschauen verdammt. Im November dieses Jahres hatte er nach der Zwangspause erstmals wieder für die Reserve der Bremer in der Regionalliga gespielt. Doch dann kam Skripnik auf ihn zu und sagte. „Den Urlaub kannst du dir abschminken. Wir brauchen dich in der Bundesliga.“ Die Freundin von Melvyn Lorenzen war zunächst alles andere als begeistert. Doch dann spielte ihr Freund in der vergangenen Woche gegen Hannover und erzielte seinen ersten Bundesligatreffer.


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