Davis-Cup : Der Sieger heißt Arriens

Die deutsche Mannschaft scheitert im Viertelfinale an Frankreich - aber Davis-Cup-Teamchef Arriens geht gestärkt aus den Querelen mit Kohlschreiber und Haas hervor.

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Der Inspirator. Arriens (r.) schwört Debütant Gojowczyk ein.
Der Inspirator. Arriens (r.) schwört Debütant Gojowczyk ein.Foto: Reuters

Nancy - Am Ende war es dann doch so gekommen, wie man es eigentlich erwartet hatte. Die 5000 französischen Fans schmetterten aus stolzen Kehlen die Marseillaise von den Rängen des Palais des Sports in Nancy und feierten ihre Equipe freudetrunken für den Einzug ins Halbfinale des Davis-Cups. Gael Monfils hatte es nach dem Matchball gar nicht mehr bis ans Netz zum Handshake geschafft, seine Teamkollegen waren schon längst über ihren Helden hergefallen, der ihnen in der fünften Partie den entscheidenden dritten Punkt beschert hatte. Peter Gojowczyk auf der anderen Seite hatte sich enttäuscht auf die Bank sacken lassen und starrte ins Leere. Tobias Kamke, André Begemann und Jan-Lennard Struff versuchten, ihren Teamkollegen aufzumuntern, obwohl sie genauso enttäuscht waren wie er.

Sie hatten nichts zu verlieren gehabt an diesem Wochenende als klare Underdogs gegen die topbesetzten Franzosen. Doch nachdem Kamke und Gojowczyk mit ihren furiosen Siegen am Freitag über Julien Benneteau und Jo-Wilfried Tsonga das deutsche Team sensationell mit 2:0 in Führung gebracht hatten, tat diese 2:3-Niederlage dann eben doch weh. „Die Enttäuschung ist groß“, sagte Kapitän Carsten Arriens, „das war ein extremer Gefühlswechsel von Freitag bis heute – aber die Jungs haben sich super präsentiert.“ Sie hatten alles versucht, bis zum letzten Ballwechsel ihr Möglichstes herausgeholt, doch an diesem Tag war der Gegner übermächtig. Zunächst spielte Tsonga bei seinem 6:3, 6:2 und 6:4-Sieg gegen Kamke dann eben doch wieder wie ein Top-Ten-Spieler. Und auch Monfils, der die ganze Woche über nur ab und zu mittrainiert hatte und mal wieder im mentalen Loch steckte, spielte sich in diesem so wichtigen Match plötzlich in einen Rausch. „Das war unser Pech“, bedauerte Arriens, „ich hatte gehofft, dass Gael nicht so überragend auftreten würde.“

Mit 6:1, 7:6 und 6:2 bezwang Monfils Gojowczyk, doch der Weltranglisten-119. hatte sich bei seinem Davis-Cup-Debüt teuer verkauft. „Ich hatte ein unglaubliches Match gegen Tsonga“, freute sich der Münchner, „ich werde sicher viel Positives von dieser Woche mitnehmen.“ Er darf sich als Gewinner fühlen, wie die gesamte Mannschaft, denn nach dem Eklat von Frankfurt schaffte die B-Riege die Rehabilitation für den enormen Image-Schaden. Und sie stärkte mit ihren mitreißenden Auftritten vor allem Arriens den Rücken. „Das kann der Anfang von etwas sein“, sagte er, denn nun hat der Kapitän die Gewissheit, dass er nicht auf Biegen und Brechen einen Querkopf wie Philipp Kohlschreiber im Team halten und auch dem gerade 36 Jahre alt gewordenen Thomas Haas nicht mehr zwingend hinterher laufen muss. Besonders nach den jüngsten Verbal-Attacken Kohlschreibers. „Ich werde sicher zeitnah mit Philipp sprechen und sehen, ob er noch ein Teil des Teams sein kann“, kündigte Arriens an: „Momentan sehe ich das kritisch.“ Er kann es sein, denn nun hat Arriens junge Spieler beisammen, die ohne Allüren und Neidgeplänkel ihren Kindheitstraum von der Nationalmannschaft ausleben dürfen. Vom Quartett aus Nancy wäre keiner auf die Idee gekommen, sich vorher schriftlich geben zu lassen, dass man nur für eine oder zwei Partien zur Verfügung steht. Sie wären auch beim Stand von 0:3 am Sonntag noch auf den Platz gegangen, stolz und dankbar.

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