Davis Cup in Berlin : Carlo Thränhardt: "Tennis hat mich schon immer fasziniert"

Carlo Thränhardt über seinen Job als Fitnesscoach des Davis-Cup-Teams und Hochsprung-Rekorde.

von
Carlo Thränhardt, 59, ist Fitness- und Mentaltrainer des Davis-Cup-Teams. Seit 1984 hält er mit 2,37 Meter den Deutschen Rekord im Hochsprung. Foto: Imago/Hübner
Carlo Thränhardt, 59, ist Fitness- und Mentaltrainer des Davis-Cup-Teams. Seit 1984 hält er mit 2,37 Meter den Deutschen Rekord im...Foto: imago/Hübner

Herr Thränhardt, Sie sind Fitness- und Mentalcoach der deutschen Davis-Cup-Mannschaft. Was genau machen Sie mit den Spielern in Berlin?

Wir haben am Montag die erste Trainingseinheit absolviert, da waren alle Muskelgruppen involviert. Grundsätzlich kann ich nur ein sehr dosiertes Schnelligkeitstraining machen. Es geht darum, die Muskulatur auf die nächsten Tennisübungen einzustellen. Dabei musst du natürlich immer im Hinterkopf haben, dass der Leistungshöhepunkt bei den Jungs am Wochenende erreicht werden soll.

Sind die Anforderungen an die Spieler auf einem Sandplatz anders?

Die Spieler rutschen mehr, die Ballwechsel dauern länger. Es braucht also eine etwas höhere Grundausdauer als auf Hartplatz oder in der Halle. Es ist ein Unterschied – aber der ist jetzt nicht so immens, dass man da in einer Woche einen komplett anderen Fokus legen würde.

Sie waren früher ein Weltklasse-Hochspringer: Lassen Sie auch Hochsprungübungen in Ihr Training miteinfließen?

Es geht weniger um Sprünge und mehr um Schnellkraft. Die höchstmögliche Kontraktionsfähigkeit der Muskulatur steht im Mittelpunkt.

Wissen die Spieler noch etwas mit dem Namen Carlo Thränhardt anzufangen?

Danach habe ich noch gar nicht gefragt, aber wenn sie es jetzt noch nicht wissen, wäre es ziemlich schade.

War es für Sie als ehemaliger Hochleistungssportler eine besondere Herausforderung, nach der Karriere fit zu bleiben?

Ganz ehrlich: Es ist ein Lebensgefühl für mich. Ich esse unheimlich gerne, ich trinke gern ein Glas Wein, aber um mir das verdienen zu können, versuche ich das so sinnhaft wie möglich zu gestalten.

Sie haben vor zwei Jahren einen Hochsprung-Weltrekord in Ihrer Altersklasse aufgestellt.

Damals stand der Weltrekord bei 1,84 Meter. Und den erachtete ich als zu niedrig. Da habe ich dann vier Wettkämpfe gemacht und bin viermal Weltrekord gesprungen. Jetzt steht er bei 1,90 Meter. Und irgendwann will ich dann auch noch die zwei Meter springen, so was schafft dann in den nächsten 100 Jahren vielleicht keiner mehr in meinem Alter.

Wieso sind Sie Fitnesstrainer im Tennis und nicht in der Leichtathletik?

Seit ich ein kleiner Junge war, habe ich Tennis im Fernsehen geguckt. Aber ich bin erst über Umwege da gelandet. Das Spiel Mann gegen Mann hat mich immer fasziniert. Der Sport beinhaltet alle Komponenten, von Intelligenz über Technik bis hin zur Fitness. Du musst dich immer wieder auf neue Gegner einstellen, das finde ich sehr komplex und enorm spannend.

Was machen Sie außerhalb Ihres Engagements beim Deutschen Tennis-Bund?

Ich halte Vorträge, zum Beispiel über intrinsische Motivation. Und ich bin Botschafter der Kampagne „Männer reden jetzt“ gegen Prostatakrebs. Während Frauen über alles reden, sind wir Männer zurückhaltender. Darum engagiere ich mich, auch wenn das Thema Prostata vielleicht nicht das erotischste ist.

Das Gespräch führte Jörg Leopold.

Autor

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben